Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich hier etwas gepostet habe, und das tut mir meega leid! Es sind noch so einige Blogeinträge offen, aber in meiner Zeit in Whitianga, wollte ich einfach die Zeit, die ich dort hatte geniessen. Inzwischen ist meine Zeit dort zu Ende und ich bin jetzt in Wellington, doch wie das alles kam, wie es mir in Wellington gefällt und wie es jetzt weitergeht, das ist alles eine andere Geschichte.

Heute möchte ich euch über mein Oster-Wochenende berichten, das ich dieses Jahr auf eine ganz spezielle Weise verbringen durfte: in einem Pfadilager. Seit ich die Schweiz verlassen habe, hatte ich nicht viel mit der Pfadi zu tun, doch wie sehr ich das alles wirklich vermisst hatte, wurde mir erst letztes Wochenende bewusst, als ich das Pfadi-feeling wieder zurück hatte. Aber von Anfang an…

Letzten Sommer nahm ich an einem internationalen Pfadilager in Island teil. Das war ein absolut cooles Erlebnis und nebst vielen tollen Aktivitäten, habe ich auch viele Pfadis aus der ganzen Welt kennengelernt. Eine davon war Caitlyn aus Neuseeland. Als ich dann im November in Neuseeland ankam, hat sie mich kontaktiert und gefragt, ob ich nicht an einem neuseeländischen Pfadilager teilnehmen möchte, das über Ostern stattfinden würde. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was ich im April machen würde, so konnte ich leider nicht zusagen. Anfangs März kam ich dann ich Wellington an und mir war ziemlich schnell klar, dass ich übers Osterwochenende nichts vorhaben würde. So habe ich Caitlyn wieder kontaktiert – im Bewusstsein – dass es jetzt zwei Wochen vor dem Lager, wahrscheinlich viel zu spät sein würde, um sich noch fürs Moot anzumelden. Zu meiner Überraschung und Freude jedoch konnte Caitlyn noch alles für mich organisieren, so dass ich zwei Wochen später im Lager mit dabei war.

 

Das Lager fand auf der Südinsel statt in der Nähe von Christchurch. Über Facebook konnte ich Kontakt zu einigen Rovers aufnehmen, die von Wellington zum Lagerplatz fahren würde und so kam es, dass ich mich ihrer Crew (Gruppe von Rovern) anschliessen konnte. Am Sonntag vor dem Lager traf ich die Crew dann zum ersten Mal. Im Lager gab es jeden Abend eine Kostümparty, zu der man sich mit der Crew verkleidete. Das Motto des Lagers war „Euro Moot“ und demensprechend waren auch die Themen für die Kostümpartys gewählt. Am ersten Abend stand alles unter dem Motto „Oktoberfest“, am zweiten Abend hatten wir das Thema „Eurovision Song Contest“ und am dritten Abend „Night in Monaco“. Die Victoria Crew welcher ich mich anschliessen durfte, ist berühmt dafür die Mottos besonders kreativ zu interpretieren. Anstelle von Oktoberfest wählten wir deshalb ein anderes Fest im Oktober und so verkleideten wir uns passend zum Thema Halloween. Anstelle von Eurovision Song Contest, legten wir den Fokus auf „Euro Vision“ und organisierten übergrosse Brillen, auf deren Gläser wir ein Euro Zeichen malten. Und die Vorgaben für Night in Monaco waren klar – bitte kommt in formaler Kleidung – aber als zusätzliche Accessoires organisierten wir Masken und Pistolen, und räuberten das Casino aus.

 

Es war gut, die ganze Crew schon einmal kennenzulernen und auch meine zwei Roadtrip-Gefährten Adam und Steph im Voraus zu treffen, bevor wir uns am Donnerstag zusammen auf eine 8 Stündige Autofahrt begaben.

Am Donnerstagmorgen in aller Frühe, nahmen wir drei gemeinsam die Fähre von Wellington nach Picton. Auf der dreistündigen Überfahrt konnten wir uns alle schon ein bisschen besser kennenlernen und ich war erleichtert, dass wir uns alle gut verstanden.

In Picton bestiegen wir dann das Auto, das dank all unserem Gepäck ziemlich voll war und machten uns auf den Weg nach Süden. Wir folgten der Strasse nach Süden und kamen auf dem Weg nach Kaikoura an einigen eindrücklichen Erdrutschen vorbei, die noch von einem Erdbeben im November 2016 übrig waren. Zwar ist die Strasse inzwischen wieder befahrbar, aber man sieht noch immer genau, wie viel Zerstörung das alles angerichtet hatte.

In Kaikoura machten wir dann einen ersten Stopp, einige Selfies mit „Friend“ dem Maskottchen der Regal Crew, ein Glacé und eine Runde Riesen-Vier-Gewinnt später, ging es weiter. Unterwegs hatten wir selbstgemachte Brownies und viel gute Musik und in Rolleston machten wir auf einem Parkplatz von McDonalds halt, um unser selbstgemachtes Abendessen zu essen.

 

Gegen 8 Uhr kamen wir dann im Mania-O-Roto Scout Park in Ashburton an, wo wir zuerst einmal eincheckten und unsere Zelte bezogen. Danach machten wir uns auf den Weg zur Pfadibar, wo ich jede Menge neuseeländischer und australischer Pfadis kennenlernte.

Am Freitagmorgen in aller Frühe trafen wir uns alle zur Eröffnungszeremonie. Ca. 150 Rover nahmen am Moot teil, mehrheitlich kamen sie aus Neuseeland, aber es waren auch ca. dreissig Australier, ein Engländer und eine Person aus der Schweiz dabei. Nach der Eröffnungsfeier und dem Gruppenfoto ging es dann direkt los mit dem Cross-Country. An diesem drei Kilometer langen Lauf nahm jeder teil und am Ende gab es für den Sieger und die Siegerin eine Trophy (Wanderpreis) zu gewinnen. Dazu muss man wissen, dass sich das ganze Wochenende alles mehr oder weniger um das Gewinnen von Trophys drehte. Die Rovers melden sich in Crews (Gruppen) ans Moot an und in diesen Crews gab es diverse Trophys zu gewinnen.

 

Nach dem Cross-Country Lauf fuhren wir in verschiedenen Gruppen zu einem von mehreren Service Projekten. Ein grosser Teil des neuseeländischen Rover-Alltags ist nämlich das Absolvieren von Community Projekten. Die Idee dahinter ist, dass die Pfadi nicht nur zum Spass da ist, sondern dass sie auch etwas Gutes für die Bevölkerung tut. Ganz abgesehen davon hatten wir beim Service Projekt auch ziemlich viel Spass! In meiner Gruppe haben wir zum Beispiel, einen neuen Gartenweg verlegt, Holz gehackt, einen Zaun aufgestellt und die Fenster und Fassade eines Hauses geputzt. Anschliessend sind wir zum Lagerplatz zurückgefahren und haben dem Team, das dort Hand anlegte beim Verlegen von Platten in einer Kapelle geholfen.

 

Am zweiten Tag gingen wir alle auf einen Tagesausflug. Meine Gruppe hatte die „Tour de France“ gewählt und so fuhren wir nach Akaroa, einer ehemals französischen Siedlung, wo wir eine Kajaktour unternahmen. Anschliessend an ein typisch neuseeländisches Mittagessen – es gab Fish und Chips – spielten wir eine Partie Minigolf, bevor wir am Ende des Tages eine Alpakafarm besuchten. Alpakas sind übrigens nicht nur zum Anschauen super süss, aber auch extrem flauschig und knuddelig zum Anfassen.

 

Schon bald brach der dritte und letzte Tag im Moot an. Zwar waren wir alle schon ziemlich müde, was uns aber nicht davon abhielt beim Tug-o War und der Shooting Trophy noch einmal alles zu geben. Tug-o War ist ein Riesen-Seilziehen, bei dem wir jeweils in vierer Teams gegeneinander angetreten sind. Was mir dabei besonders imponiert hat, ist die Motivation, die alle in die Sache gesteckt haben. Jedes einzelne Team wurde lautstark angefeuert und bejubelt und jeder hat sein absolut Bestes gegeben.

Nach dem Tug-o War kam dann die Shooting Trophy. Bei diesem Postenlauf ging es nicht nur ums Gewinnen, sondern es wurden auch Punkte für Teamfähigkeit, Gruppenzusammenhalt und Strategie vergeben. Dieser Postenlauf dauerte den ganzen restlichen Tag. An einem Posten mussten wir zum Beispiel eine gewisse Strecke überbrücken indem wir die zur Verfügung gestellten Stühle benutzten. Alle Teammitglieder mussten immer auf den Stühlen sein und alle Stühle mussten immer von mindestens einem Teammitglied berührt werden. An einem anderen Posten spielten wir Hockey auf einer Plastikplane mit Wasser und Seife, was nicht nur extrem rutschig, aber auch extrem lustig war. An einem dritten Posten mussten wir uns an den Beinen zusammenbinden und einen Parcours absolvieren, gestartet haben wir mit zwei zusammengebundenen Personen, nach der Runde kam eine dritte, dann eine vierte usw. dazu, bis alle Teammitglieder zusammengebunden waren. Dieser Postenlauf hat mir viel Spass gemacht und wir hatten ein super Team!

Viel zu schnell kam mit dem Montag auch der Tag des Abschieds. Mit der Schlusszeremonie und der diesjährigen Vergabe der Trophys ging das Moot 2018 zu Ende. Das Wochenende war ein voller Erfolg und auch wenn ich zwischendurch mal mit meinem Englisch an die Grenzen gestossen bin – wenn über zehn Personen in einer Gruppe durcheinanderreden, wird’s schwierig – konnte ich viele neue Freundschaften schliessen und hatte eine super Zeit!

Ich habe gelernt, dass die neuseeländische Pfadi in einigen Punkten genau gleich ist, wie die schweizer Pfadi, in vielen Punkten aber auch ganz verschieden. Für mich war es zum Beispiel extrem eindrücklich, wie selbstverständlich die Rovers hier einander halfen. Gut zu sehen war das am Beispiel mit der Kapelle. Dieses Serviceprojekt konnten wir am Freitag nicht beenden, und so entschlossen sich drei Rover am Sonntag nach der Shooting-Trophy noch einmal an der Kapelle zu arbeiten. Es dauerte jedoch keine 5 Minuten und es fanden sich etwa 30 freiwillige Rover, die mithalfen die Kapelle fertigzustellen, ganz ohne dazu aufgefordert gewesen zu sein. Und auch während der Shooting Trophy war Gruppenzusammenhalt gross geschrieben. In meiner Gruppe hatten wir jemanden, der fast taub war und jemanden der nicht rennen konnte. Wir beschlossen daher einstimmig nur zu laufen, und nicht zu rennen und jeder gab sein Bestes unser Hörschwaches Teammitglied in die Diskussionen mit einzubeziehen.

Ich war wirklich sehr beeindruckt von dem grossartigen Teamgeist, den die neuseeländischen und australischen Pfadis an den Tag legten.

 

Ich bin jetzt schon wieder seit einer Woche zu Hause und in meinem Alltag, aber dank dem Moot konnte ich neue Freunde in und um Wellington herum gewinnen und die Victoria Crew hat mich eingeladen, mich ihnen für die Zeit die ich in Wellington verbringe anzuschliessen. Das Moot ist also nicht das letzte Pfadierlebnis gewesen, das ich hier haben werde und ich freue mich auf die nächsten Abenteuer die ich mit ihnen erleben.

 

6 Kommentare

  1. Hey Sabrina
    Wow, grad chli tolli und spannendi Sache dörfsch du erläbsche.
    Dini Bricht lis ich alli, aber ersch jetz schrieb ich au mal zrugg:-)!
    Ich bi gspannt uf die nächste Stories vo dir.
    Liebs Grüessli us Galgene
    Monika

    1. Heyy Monika
      Das freut mi aber, dass du de Blog au mitverfolgsch! 🙂
      De nächst Iitrag chund bestimmt au scho glii. Probiere jetzt wieder chli regelmässiger zposte.
      Liebi Grüessli
      Sabrina

  2. Wauuu, liebs Gotteli, das tönt jo wieder ganz toll. So ächti Abentüür mit Gmeinschaftsgeischt häsch du halt scho seeehr gern, gell?!
    Was do alles i dene drü Täg glaufe isch, isch jo suuuper!!
    Liebe Knuddel
    dis Gotti

    1. Heii liebs Gottii <3
      Jah das isch ebe so scho, mitenand gaht alles besser 🙂
      und Pfadi, Abentür und Kollege isch epe die best Kombination wo mer chan haa 😛
      Knuddel zrug

  3. Hoi Sabrina

    danke vielmals für deinen tollen Bericht über die Pfadi Euromoot! Tolle Fotos!
    Lese immer wieder gerne von deinen Erlebnissen, es ist so erfrischend geschrieben, ich „fiebere“ immer mit 🙂
    Freu mich schon auf deinen nächsten Bericht!
    Liebs Grüessli und big hug vo dim Cousinli Priska

    1. Heeii liebi Priska
      Danke vielmals! Ich freue mich, dass du den Blog auch ein bisschen mitverfolgst!
      Im Moment habe ich gerade wieder etwas mehr Zeit, deshalb wird auch schon bald ein neuer Blogbeitrag online kommen. 🙂
      Liebi Grüessli und Knuddel
      Sabrina

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