So, nachdem ich es nun endlich geschafft habe, mehrheitlich alles über meine ersten vier Monate in Whitianga zu berichten, möchte ich euch endlich etwas über meine Zeit in Wellington erzählen. Da das alles viel zu viel wäre, um alles in einen Beitrag zu packen, werde ich es so gut es geht aufteilen und mehrere Beiträge hochladen. 🙂

 

Ich verliess Whitianga wie schon gesagt am 4. März und zusammen mit Javi unternahm ich meinen einwöchigen Trip über die Nordinsel, über den ich hier berichtet habe. Ich hatte mit meiner Gastfamilie abgemacht, dass ich so gegen 13.30 am Samstagnachmittag bei ihnen eintreffen würde doch als ich dann in bester Schweizer-Manier auch pünktlich vor ihrer Türe stand, waren sie offenbar doch überrascht, dass ich schon da war. Ich hätte es ja eigentlich wissen müssen, da ich in den letzten vier Monaten schon gemerkt hatte, dass es die Neuseeländer mit Pünktlichkeit nicht so genau nehmen. Trotzdem haben sie sich alle sehr gefreut und auch wenn sich die Kids bei der ersten Begrüssung noch etwas misstrauisch verhielten, so wurde ich doch herzlich empfangen. Zudem lernte ich auch direkt Diane und Colin kennen, Janes Eltern, die aus Gisborne zu Besuch waren.

Nachdem ich mein Gepäck aus dem Auto geladen hatte, und der Familie die selbstgebackenen und weitgereisten Spitzbuebe überreicht hatte, machten Jane und die beiden Mädchen (Kate (10) und Chloe (6)) uns auf zu einem Spaziergang durch die Nachbarschaft, bei der sie mir direkt die Schule und ihre Lieblingsspielplätze zeigten. Anschliessend spielten wir alle zusammen ein Spiel und nach dem Abendessen sass ich noch länger mit den Gasteltern zusammen und wir redeten viel.

Am Sonntag nachdem die Grosseltern zurück nach Gisborne gefahren waren, machten wir einen Spaziergang zum „Schloss“ welches eigentlich gar kein richtiges Schloss, sondern nur ein hoher Betonzylinder war, der wegen seiner Form an ein Schloss erinnert. Von dort aus hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Spielplatz gingen wir zum Mittagessen in die Stadt und nach einem kleinen Spaziergang an der Waterfront und einem Glacé, gingen wir an eine Ausstellung, die sich „Future Playground“ nannte. Dort konnte man viele neue Technologien ausprobieren, Filme mit VR-Brillen schauen, Lichtspiele beobachten und vieles mehr. Gegen Abend ging es dann wieder zurück nach Hause.

 

Am Montag war nicht nur mein erster Arbeitstag, sondern auch der erste Schultag in der neuen Schule. Zwar freute ich mich darauf eine neue Schule kennenzulernen, aber gleichzeitig hatte ich auch ein bisschen Angst, da ich wusste, dass keine Schule der Welt mit dem COLC mithalten können würde. Dass ich damit vollkommen richtig lag, wurde mir bewusst, sobald ich die Schule betrat. Das Campbell Institute ist eine viel grössere Schule, mit ca. 150 Schülern und schon die Begrüssung am Empfang viel eher unfreundlich aus. Mit mir fingen noch 15 andere Schüler an diesem Montag an, und wir wurden alle in den Aufenthaltsraum geschickt um den Einstiegstest zu absolvieren. Ein Schild wies alle „alten“ Schüler daraufhin, dass der Raum für sie am Montagmorgen gesperrt war, was mir komisch erschien, denn wie sollten wir unsere Klassenkameraden denn kennenlernen? In der 30 minütigen Pause, die wir zwischen Test und Begrüssungsrede hatten, sprach kein einziger der 15 anderen Schüler mein Wort. Meinen Kommunikationsversuch gab ich ziemlich schnell auf, nachdem ich von dem Typen mir gegenüber nur ein mürrisches „Chile“ als Antwort auf die Frage woher er denn käme, bekam. Auch der Rest des Tages verlief etwa ähnlich, sodass ich dann ganz froh war am Mittag nach Hause zu können. Ich setzte meine ganze Hoffnung nun auf den nächsten Tag, wenn ich meine neuen Klassenkameraden, der Higher Advanced Class kennenlernen würde.

Leider wurden auch da meine Hoffnungen ganz und gar nicht erfüllt. Zwar hatte mich Rae, die Demi Pair Koordinatorin schon vorgewarnt, dass es in Advanced viele Deutschsprachige gäbe und dass die auch häufig Deutsch untereinander sprächen, doch was mich erwartete, übertraf dann doch alles. Mein freundliches „Hi, is this the Advanced Class?“ wurde zuerst man vollkommen ignoriert und da ich ja wusste, dass ich in der richtigen Klasse war und nur gefragt hatte, um ein Gespräch anzufangen, setzte ich mich einfach hin. Die vier Mädchen im Raum, allesamt Deutschsprachig ignorierten mich auch weiterhin geflissentlich, während sie –  auf Deutsch – über ihr Wochenende plapperten. Es stellte sich heraus, dass von 15 Leuten in der Klasse genau 3 nicht Deutschsprachig waren und dass Rae mit ihrer Voraussage, dass all die Deutschsprachigen nur Deutsch sprechen würden, genau richtig lag. Egal ob im Unterricht oder in der Pause, egal ob ein Lehrer oder Nicht-Deutschsprachige Personen anwesend waren oder nicht, es wurde nur Deutsch gesprochen. Die drei Leute, die nicht Deutsch sprechen konnte, waren mehrheitlich still, oder zeigten überwältigendes Desinteresse, indem sie Musik hörten – ja auch während des Unterrichts – oder einfach alle ignorierten.

Ich versuchte meine Deutschsprachigen Mitschüler auch so gut es ging zu ignorieren, solange sie Deutsch sprachen und gab ihnen wann immer möglich in Englisch Antwort, aber da das ziemlich mühsam ist und die anderen mich (ein Stück weit natürlich verständlicherweise) für eher komisch hielten, war ich meistens auch still. Mir tat vor allem unser Lehrer Lance leid. Er war vom ersten Tag an extrem motiviert und brachte uns alle regelmässig mit seinen Witzen, Imitationen und Anspielungen auf irgendwelche Serien zum Lachen. Zudem hatte er auch Deutsch im Nebenfach studiert und konnte deshalb recht gut Deutsch, was er des öfteren als Waffe gegen uns einsetze. Trotzdem tat er mir leid, da einfach nie jemand auf ihn zu hören schien und alle immer extrem unmotiviert waren.

Naja, die Tage vergingen und in der Schule als auch auf der Arbeit, ereignete sich nichts spezielles. Die Arbeit in der Hostfamilie, war soweit so gut, die Kinder und ich brauchten relativ lange um uns aneinander zu gewöhnen vor allem, da die Hostmutter nicht Vollzeit arbeitete und deshalb relativ häufig auch zuhause war, was es mir umso schwerer machte an die Kinder heranzukommen. Am Anfang musste ich mir des öfteren anhören „Nein, du kannst mir nicht helfen, Mama muss das machen“, und ähnliche Aussagen anhören, aber mit der Zeit legte sich das auch. Mein Wochenablauf sah ungefähr wie folgt aus:

Am Morgen musste ich jeweils die Lunchboxen für die Kids vorbereiten, den Eltern helfen Frühstück zu machen und die Kinder für die Schule vorzubereiten, wobei ich bei letzterem nie besonders viel machen konnte, da sie mich bis heute nur wenig helfen lassen, wenn es ums Anziehen, Zähneputzen etc. geht. Danach laufen wir gemeinsam zur Schule. Nach meinem Unterricht gehe ich wieder nach Hause und je nach Wochentag begleitete ich die Kids nach der Schule zu ihren Aktivitäten. Meistens eigentlich nur Chloe, da Kate normalerweise selber zu ihren Aktivitäten ging. Mit Chloe hatte ich einmal Schwimmen und an einem anderen Nachmittag Ballet, was eigentlich beides immer problemlos klappte. Danach zurück nach Hause und noch etwas spielen, bis ca. 17.00 Uhr, wenn die beiden an ihr iPad dürfen, und ich mich dem Abendessen widme. Nach dem kochen, bin ich dann eigentlich off work und kann machen was ich will.

Am Anfang war ich jeweils etwas verwirrt, weil ich, nicht wie befreundete Au Pairs, einen strickten Arbeitsplan hatte, sondern mehr einfach meine Aufgaben zu erledigen hatte, wobei es egal war, wann ich das machte. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich auch daran und genoss diese Freiheit. Ein Vorteil hatte es aber, dass Jane des öfteren zu Hause war, am Freitagnachmittag hatte ich so normalerweise frei und konnte in der Stadt bleiben, wenn ich wollte.

Eine Sache, an die ich mich aber stark gewöhnen musste, war die Erziehungsweise „fremder“ Eltern. Hier galten zum Teil ziemlich andere Regeln, als ich es mir von Zuhause gewöhnt war und ich musste mich manchmal daran erinnern, dass ich die gleichen Regeln vertreten musste, wie die Eltern, da es nicht an mir war die Kinder zu erziehen. Trotzdem habe ich kleine Dinge angepasst, zum Beispiel, weigerte ich mich von Anfang an, die Schulrucksäcke der beiden zu tragen, denn ich finde mit 6 und 10 Jahren kann man das definitiv selber. Oder dass sie bei mir ihre Milch halt selber holen mussten, wenn sie eine wollten und so weiter. Ich wusste aber auch, dass die Eltern mich im Grossen und Ganzen immer unterstützten, da sie mir das am Anfang auch so gesagt haben.

 

Die Zeit verging trotz der unbefriedigenden Lage in der Schule schnell und bald kam Ostern, wo ich in das Pfadilager in Neuseeland gehen konnte. Ich hatte in der Schule inzwischen die Klasse von General English zu einer Cambridge Advanced Exam Preperation Class gewechselt, doch hier waren noch mehr deutschsprachige Leute und der Unterricht war auch nicht viel besser. An den Wochenenden machte ich normalerweise nicht so viel, da mir schlichtweg die Motivation fehlte.

Ein Wochenende lang hatte ich Besuch von Julien und Natsuyo, zwei Freunde aus Whitianga, mit denen ich ein tolles Wochenende verbrachte. Zusammen besuchten wir das Zealandia, ein geschütztes Naturreservat, in dem man jede Menge seltener Vögel beobachten konnte.

 

An einem anderen Wochenende, nahm ich an einer Aktivität der Schule teil, in der Hoffnung, ein paar neue Leute kennenzulernen. Gemeinsam gingen wir auf den Eastern Walkway, wo wir eine wunderschöne Aussicht aufs Meer hatten. Tatsächlich lernte ich da viele neue Leute kennen und man glaubt es kaum, für einmal war ich die einzige Deutschsprachige. Das war ein super Tag, doch leider blieben die Bekanntschaften, die ich dort machte, eher eine einmalige Sache.

 

An einem wunderschönen Sonntag, beschloss ich einen Ausflug für mich alleine zu machen. Ich schnappte mir Hector (mein Auto) und machte mich auf den Weg zu Cape Pallisar, dem südlichsten Punkt der Nordinsel, wo es einen schönen rot-weiss gestreiften Leuchtturm gibt. Dort sah ich auch das erste Mal Robben. So süss! Anschliessend ans Cape Pallisar, machte ich eine kurze Wanderung zu den Pinnacles, die einige von euch vielleicht aus den Herr der Ringe Filmen als den Eingang zu den Pfaden der Toten erkennen.

 

8 Kommentare

  1. Hmm, liebs Gotteli, ich han jo durs skype mit dir scho chli gwüsst, dass es für dich nöd grad so toll glaufe isch i dere neue Schuel. Du häsch dich aber tapfer dure gschlage und diä negative Sache händ dir sicher no meh bewusst gmacht, wiä toll du’s in Whitianga gha häsch. Und trotzdem häsch du jo s’Beschte drus gmacht. Ich find eifach, du meisterisch das alles mega giga rüüüüdig toll!!!! Und gfindsch glich immer no ganz schöni Sache, wo dis Herzli erfreuet. Bisch jo au suuuper flissig am Bricht schriebe, sodass mir ganz intensiv a dim Läbe in Neuseeland dörfet teilneh.
    Gell, jetzt bisch denn gli underwägs nach Australie?? Ich bin jo gspannt, was du no alles dörfsch erläbe ide nächste Wuche!!
    Ganz es liebs Grüessli mit Knuddel
    dis Gotti

    1. Hoi liebs Gotti
      Ja isch ebe scho so. Aber ich bin ja en optimistische/positive Mensch und alles het au immer irgendwie epis Guets oder gaht zumindest schnell verbii.

      Probiere jetzt vor Australie würkli no so guet wies gaht mit de Bricht vo Wellington abzschlüsse, will ich ja nachher no vill Neus zverzelle han. 🙂

      Und ja, am Samschtig gahts scho los. Zerscht uf Taupo wo ich e Nacht binere Kollegin (Ex-Lehreri vo Whitianga) darf übernachte und denn für 2 Täg nach Whitianga, bevor ich am Mittwuch de uf Sydney flüg.

      Han di lieb und dicki Umarmig
      Sabrina

  2. Hoi Cousinli
    Weder mal en spannende und interessante Bricht vo der, danke vellmol! Au wunderschöni Föteli, emmer so schöns Wetter! 🙂
    Andere Länder, andere Sitten, gell?! Aber immerhii unterstützed dini Gasteltere dech, und d kids gwöhnet sech secher gli a die paar Veränderige! Wiiterhii vell Freud und heb Sorg! Big hug Priska

    1. Heyy Priska
      Schön vo dir zghöre! Ich hoff eu gahts allne guet? 🙂
      Hihi jap definitiv und am Afang hani mengisch sGfühl gha, Regle existiered da ned würkli. Stimmt aber ned, haha sie hend nur mengisch anderi Asichte als ich.
      Und jetzt gahts ja denn scho glii uf Australie.
      Ich wünsch eu au e gueti Ziit.
      Liebi Grüessli
      Sabrina

  3. Hallo
    Ich hätte da eine ganz bestimmte Frage: Wiso genau heisst dein Auto Hektor? Ich bin von Natur aus ein befürworter von Namensgebungen an Gegenständen, daher würde mich das sehr intressieren…
    Allerdings hoffe ich wirklich das deinenZeit besser wurde und du dennoch eine unvergessliche Zeit hattest…
    Grüsse -A

    1. Guten Tag,
      Danke für deinen Kommentar. Wie du offenbar mit mir übereinstimmst, braucht jedes gute Auto einen Namen. Trotzdem muss ich dir der Richtigkeit halber mitteilen, dass mein Auto Hector und nicht Hektor heisst. 🙂
      Er wurde nach einem Hahn namens Hector benannt, den ich auf meinen Reisen in den Northlands begegnet bin. Er war extrem anhänglich und meine Freundin, mit der ich unterwegs war hatte panische Angst vor Hühnern… so kam eines zum anderen und mein Hector ist seitdem mein treuer Begleiter.

      Meine Zeit hier in Wellington wurde anschliessend massiv besser und ich habe eine absolut tolle Zeit hier in NZ!
      Grüsse -Z

  4. Hoi Sabrina ,
    aber gell din Ufenthalt in Neuseeland isch trotz dene chli negative Problemchen , äs super Erlebniss !‘?
    Ich wünsche dir no viel schöni Wuche,
    mit liebe Grüessli
    Vreni

    1. Hoii Vreni
      Wow, du bisch denn schnell gsi mit läse 😀
      Ja, klar! Es chan ja au ned alles immer zu 100% super laufe. 🙂
      Aber erstens isch das nur die erste paar Wuche in Wellington chli so gsi (nachher isches vill besser worde) und zweitens hani denkt, mer chan ja au mal die ned soo guete Sache aaspreche. 😀
      Aber die positive Sache überspieled die wenige negative um es Vielfachs. 😀
      Liebi Grüessli zrugg
      Sabrina

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