University of Cambridge
Heute war Samstag. Ein guter Tag. Ein Tag zum Ausschlafen. Könnte man meinen. Aber weit gefehlt. Als um 7.45 Conall das erste Mal bellte, war ich sofort hellwach. Ganz allgemein bellt Conall sehr gerne, sehr viel und sehr ausgiebig. Wenn jemand ins Haus kommt genauso wie wenn ich die Tür von meinem Badezimmer öffne. Ausserdem noch wenn er Hunger hat oder mal für kleine Hunde muss. Naja auf jeden Fall war ich dann auch sofort vollkommen wach. Obwohl ich eigentlich noch 45 Minuten hätte schlafen können.
Die Zeit bis ich mit den anderen verabredet war, vertrieb ich mir die Zeit mit lesen und frühstückte dann gemütlich mit meiner Gastmutter. John hatte Darcy ins Netball gebracht und war dann mit Leon ins Rugby gefahren und Larry arbeitete am Samstag jeweils, um etwas Geld zu verdienen. Am Abend gingen John und Larry an ein Rugbyspiel auf London und fast alle anderen Familienmitglieder waren an verschiedenen Geburtstagspartys, weshalb es allen gerade Recht war, dass auch wir Mädels auswärts essen wollten.
Um 10.00 Uhr trafen wir uns und fuhren in die Stadt. Weil am Wochenende so schönes Wetter war, hatten wir beschlossen heute Velos zu mieten. Die Sprachschule hatte uns eine Velovermietung empfohlen und dort mieteten wir nun auch unsere Velos. Danach fuhren wir durch einen kleinen Park am Fluss entlang Richtung Stadt. Wir waren froh, dass es hier viele Velowege gibt, denn das Linksfahren in diesem Chaos war uns allen nicht so geheuer. Beim Kings College beschlossen Jana und Tabea kurzfristig, dass sie die Universität doch nicht von innen sehen wollten und so gingen Céline und ich alleine hinein.
Die Universität in Cambridge ist riesig! Sie ist immer noch in den alten Gebäuden von anno 1209 als sie gegründet wurde. Wir haben nur das King’s College besichtigt und das Clare College daneben. Doch die University of Cambridge besteht insgesamt aus 31 Colleges in ganz Cambridge. Céline und ich wollten beide plötzlich ganz dringend in Cambridge studieren, denn es war einfach unbeschreiblich. Natürlich ist uns beiden klar, dass wir keine Chancen haben jemals dort studieren zu können, denn entweder muss man einfach sehr, sehr, sehr schlau sein oder viel Geld haben um da aufgenommen zu werden. Aber man darf ja immerhin noch träumen.
Nach dem Mittagessen trafen wir vier uns wieder. Während Céline und ich noch auf die anderen beiden warteten, sprach uns einer der vielen Studenten rund ums College an und fragte uns ob wir nicht Lust hätten, mit ihm „Punten“ zu gehen. Punting ist eine Bootsfahrt mit einem Guide, der dich mit einem langen Stab den Fluss hinaufbringt, ähnlich wie in Venedig. Überall dort wo es viele Touristen hat, trifft man viele Studenten an, die Punting für ein bisschen Taschengeld anbieten.
Josh (der Student, der uns angesprochen hat) gab sich wirklich Mühe uns zu überzeugen mit ihm auf eine Punting-Tour zu kommen. Er erklärte uns genau, wo wir durchfahren würden und welche Colleges wir sehen würden. Als wir ihm dann sagten, dass wir heute gar nicht Punten wollten, sondern erst Morgen, da strahlte er und meinte, das sei ja überhaupt kein Problem, schliesslich sei er am Sonntag auch wieder da und wir sollten ihn einfach suchen. Um sicherzugehen, dass wir ihn wiederfinden würden, gab er uns auch noch seine Visitenkarte, bevor er davonzog.
Danach fuhren wir zum Botanischen Garten, wo wir leider Eintritt zahlen mussten, da unsere Schule es versäumt hatte uns eine Student-Card zu geben, mit welcher der Eintritt gratis gewesen wäre. Wir schlenderten durch den Garten und genossen die Ruhe und den Frieden. Als uns ein bisschen kalt wurde, gingen wir ins subtropische Gewächshaus um uns aufzuwärmen. Im Botanischen Garten hatte es erstaunlich wenig Leute und angenehm wenige Asiaten. Es ist krass, manchmal habe ich das Gefühl in Asien zu sein, weil ich irgendwie fast nur Asiaten sehe in Cambridge. Ich frage mich wie das am Montag sein wird, wenn das College wieder beginnt, dann hat es sicher noch viel mehr asiatische Studenten hier.
Irgendwann wurden wir des Herumlaufens müde und wir beschlossen nach Hause zu fahren. Nach zwei Stunden Pause, fuhren wir mit dem Bus wieder in die Stadt um beim berühmten Five Guys essen zu gehen. Das ist ein Fast Food Laden, der wohl die besten Burger macht, die ich je auswärts gegessen habe. Zwar mussten wir eine schiere Ewigkeit warten, doch das hat sich gelohnt. Man konnte bei diesen Burgern nicht nur sagen, was man gerne drauf hätte, sondern sie haben die Burger auch gleich frisch gemacht. Genau wie die Pommes auch. Mampf! Lecker!
Nach dem Essen gingen wir Bowlen und anschliessend setzten wir uns noch in eine Bar. Es war recht lustig dort, denn als wir ankamen lief noch das Rugbyspiel im Fernseher und sie haben aktives Publicviewing betrieben. Alle standen unten vor der grossen Leinwand und schauten sich Bier trinkend das Spiel an. Laute Jubelrufe waren zu hören, wenn England einen Punkt erzielt hatte und ärgerlich klingende Laute, wenn Wales einen Punkt gemacht hatte. Am Ende besiegte Wales England zwar, doch das tat der Stimmung keinen Abbruch.













