Es scheint absolut unfassbar, dass ich genau heute schon seit einem ganzen Monat in Neuseeland bin! Vor einem Monat fand ich mich mit einem gewaltigen Schlafmangel und einem noch gewaltigeren Rucksack in Auckland am Flughafen wieder und konnte es kaum erwarten ins Hostel zu kommen und endlich schlafen zu können – von Aufregung endlich da zu sein, war in dem Moment nicht so viel zu spüren. Den Tag verbrachte ich halb schlafend in irgendwelchen Cafés, besuchte das Auckland Museum und begab mich möglichst bald ins Hostel und ins Bett.

Am nächsten Morgen sah die Welt dann schon ganz anders aus. Ich freute mich endlich nach Whitianga weiterzureisen, denn als Einstieg in einem fremden Land ist Auckland nur eines: Eine beängstigend grosse, ungemütlich überbevölkerte Stadt.

 

In Whitianga angekommen startete auch sofort die Schule und ich fühlte mich vom ersten Moment an sehr wohl. Trotzdem, jetzt rückblickend war der Anfang vermutlich ziemlich holprig. Inzwischen kann ich sagen, ich habe mich richtig gut eingelebt und möchte keinen Moment hier missen. Den Kurs habe ich wie geplant von Afternoon-Class auf Activity-Class geändert und das war definitiv die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Dreimal in der Woche kann ich jetzt an diversen Aktivitäten teilnehmen. In der ersten Woche war ich zum Beispiel mit Kim (Schul-Eigentümer) in seiner Nursery, was im Grunde nichts anderes als eine Pflanzenaufzucht ist, in der er seltene oder nützliche Pflanzen aufzieht, die er danach dem Department of Conservation (DoC) zur Verfügung stellt, die die Pflanzen wiederum zur Aufforstung von Wäldern und Küsten nutzen.

Am Mittwoch ging ich mit einer Gruppe von Schülern auf eine Aktivität, die sich „River Exploring“ nennt, mit Neoprenanzug ausgestattet machten wir uns auf in den Bush (Neuseeländischer Wald), wo wir einen Fluss bewanderten – ja genau, eine Wanderung IM Fluss. Dies war sehr cool, denn von der Strasse aus nie denken, was sich im Bush alles verbirgt und der Fluss hatte mehrere tiefe Wasserteiche, in denen man schwimmen und von Felsen springen konnte. Zu Beginn waren wir alle etwas skeptisch, ob wir uns wirklich ins Wasser wagen sollten, denn trotz den immer wärmeren Temperaturen und dem Neoprenanzug, war es doch immer noch ziemlich kalt. Doch mit etwas Überwindung und ein bisschen tatkräftiger Unterstützung von uns, plantschten schlussendlich alle im Wasser herum.

Nach dem Süsswasser am Mittwoch traute ich mich am Donnerstag das erste Mal ins Meer. Und zwar aufs Surfboard. Ich glaube, ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so viel Wasser geschluckt! 😀 Mein Fazit von zwei Stunden Surflesson: Es sieht zwar einfach aus, aber das ist es nicht, ganz im Gegenteil! Ich bin schon glücklich, dass ich zweimal eine Welle auf den Knien halbwegs sicher bewältigen konnte, von Aufstehen auf dem Surfboard war aber nie die Rede. Mal sehen wie das weitergeht, nächste Woche steht wieder eine Surfing Activity an und ich bin noch nicht sicher, ob ich mich wirklich freuen soll.

Nach dem Surftraining am Donnerstag war wieder Open Night. Und was als ruhiges Barbeque angedacht war, artete schlussendlich ziemlich aus. Ich sag nur soviel dazu: Singende Schüler, tanzende Lehrer und jede Menge peinlicher Videos. Crazy ging es dann auch am Freitag weiter. Es war nämlich „Loud Shirt Day“. Diese Tradition existiert schon seit vielen Jahren an der Schule, Schüler, Lehrer und Ehrengäste kommen alle in den verrücktesten, buntesten und lautesten Kleidern und Kostümen, die wir finden konnten. In einem fairen Wettbewerb wird dann das „lauteste Kostüm“ ausgesucht und geehrt. Mein persönliches Highlight von diesem Tag –  ein 69-jähriger Japaner, der sich von mir die Haare blau färben liess.

 

Doch das eigentliche Highlight dieser Woche hatte nichts mit der Schule zu tun – seit dem 26. November bin ich nämlich stolze Eigentümerin eines graublauen Nissan Wingroad. Per Zufall hatte am Wochenende zuvor dieses Auto im Internet entdeckt und bin es sogleich mit meinem Hostvater, ein pensionierter Automechaniker, probefahren gegangen. Nachdem er es für tauglich erklärt hatte und nach kurzen Preisverhandlungen habe ich kurzentschlossen zugeschlagen und es seitdem keine Minute bereut! Die Rücksitze kann ich herunterklappen und habe bequem Platz zum schlafen darin und kann bei Bedarf trotzdem mit bis zu 5 Personen herumreisen.

Am Wochenende habe ich dann auch sogleich die erste Tour unternommen. Mein Weg führte mich über Coromandel bis zum nördlichsten Punkt der Coromandel Peninsula. Für alle, die denken das wäre eine gute Tour und man könne das ja mal machen: Ja kann man, aber nein ist nicht nötig. Nach 3 Stunden Fahrt und unzähligen Schotterstrassen bin ich dann umgekehrt, die Coromandel Peninsula ist sehr schön, aber ausser Bush findet man da oben im Norden nicht viel. 😉 Trotzdem war es die Reise wert, denn immerhin habe ich mich jetzt völlig ans Fahren auf der falschen Strassenseite gewöhnt.

 

Die Woche darauf war ich mit einigen Freunden am Hot Water Beach. An diesem Strand kommt eine heisse Wasserader sehr nahe an die Oberfläche und man kann sich seinen eigenen Heisswasserpool buddeln. Dabei muss man nur auf zwei Dinge achten. Erstens, dass man sich nicht verbrennt, denn es ist wirklich sehr heiss und zweitens, dass man nicht von einem der vielen anderen Buddler zerquetscht wird. Einen so touristischen Ort habe ich hier in Neuseeland noch nicht gesehen. Es war ein Erlebnis, aber ich denke nicht, dass ich das so bald nochmals mache. 😉

Der Rest der Woche verlief ziemlich normal. Zwischen Aktivitäten, Schule und Pub blieb nicht viel Zeit übrig, wenn man auch noch ein bisschen schlafen wollte. Wir hatten eine Culture Open Night am Donnerstag, was sehr interessant war, da alle Schüler ein traditionelles Gericht mitgebracht haben. Zwar war die Mehrheit Schweizerisch, aber ich habe trotzdem auch einiges über die asiatische, spanische und thailändische Küche gelernt. Ich wusste schon, dass die thailändische Küche sehr scharf isst – fast zu scharf für meinen Geschmack – was ich aber neu dazu lernte, ist, dass thailändische Gerichte nichts im Vergleich zu denen aus Südkorea sind. Mir brennen jetzt noch die Lippen, wenn ich an das unglaublich scharfe Hühnchen von Jun denke, wozu er nur sagte: „It’s NOT that spicy!“ – Der hat gut reden!

Am Sonntag unternahmen wir einen Ausflug nach Hobbiton – dem Filmset der Herr der Ringe- und Hobbit-Filme. Für mich als kleiner Mittelerde-Fan, war das natürlich ein riesiges Erlebnis. Zwar muss ich sagen, dass der Tourführer mir jetzt nicht viel Neues über das Set erzählen konnte (Ups..^^) aber es war trotzdem cool, das alles einmal Live zu sehen. Dazu dann aber in einem separaten Blogbeitrag mehr. 🙂

Dieses Wochenende fuhr ich mit meinen Gasteltern nach Hamilton, mein Gastvater wurde nämlich 80 Jahre alt und ich war eingeladen mit ihm und seiner Familie zu feiern. Wir gingen in einem Restaurant nett zu Abendessen und trafen uns am Morgen nochmals zum Brunch. Die Feier war ganz nett, aber so richtig warm geworden bin ich mit seiner Familie nicht. Ausser den Kindern (8 und 10 Jahre alt) wusste nämlich in meinem Gefühl niemand so recht, was man reden könnte und so war das ganze sehr reserviert. Da bevorzuge ich die lustigen und oft alles andere als ruhigen Feste und Treffen meiner Familie zu Hause um ein vielfaches! 😀

Und jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Blog und kann immer noch nicht so ganz glauben, dass ich schon einen ganzen Monat hier bin. Zwar vermisse ich meine Familie und Freunde zuhause schon sehr, und es ist extremst komisch, dass hier – mitten im Sommer – Weihnachtslieder am Radio laufen, aber richtiges Heimweh ist das nicht und ich würde auch nichts an der Lage ändern wollen, selbst wenn ich könnte. Viele Schüler hier kommen für 4 bis 6 Wochen an die Schule, und jetzt vor Weihnachten verlassen uns sehr viele und wir haben kaum Neuzugänge. Das ist auf der einen Seite sehr schade, weil die erst neugewonnenen Freunde nun schon weiterziehen und sich in ihre Reiseabenteuer begeben, aber auf der anderen Seite würde ich Whitianga und das COLC im Moment für nichts in der Welt verlassen wollen. Ich würde mich jetzt noch nicht bereit fühlen, hier wegzugehen, wo ich mich doch gerade erst eingelebt habe. Noch zwei Wochen, dann sind Weihnachtsferien und auch ich kann mich auf meinen ersten kleinen Roadtrip begeben. 🙂

In diesem Sinne wünsche ich allen eine schöne Adventszeit!

 

2 Kommentare

  1. Wau, wau, wau, liebi Sabrina, das liest sich jo unglaublich spannend und erlebnisriich!!!! Heinumol, was do alles abgoht i dinere Schuel und danebe. Flusswanderig, heisses Wasser, kaltes Wasser, Salzwasser bis zum Hals (oder ebe i m Hals), und, und und….
    Toll!! Und jetzt au no dis eigne Auto!! Was wotsch no meh?!! Pass nur uf, wohi und wiä du fahrsch und nöd gar i diä abglägneschte Ort!!
    Dass du in Hobbiton gsi bisch, um das beniide ich dich scho es bitzeli; aber suscht um fast nüt. Emol, bim feine Ässe, vor allem scharf, wär ich au gern debi gsi. Und ums warme Wätter, do beniid ich dich au es bitz; bis üs schneits im Moment wiä verruckt, aber furchtbar nass nur. So bliebt de Schnee natürlich nöd, isch nur ei Pflotsch!!
    Ja, de Wechsel i dä Schuel isch e chli schad, aber es isch jo spannend, wer wieder neu dezue chunt. Ich wünsch dir viiiil Spass, viil Abentüür und ganz viil liebi Lüüt um dich ume.
    Gaaaanz en liebi Umarmig mit Küssli dis Gotti

  2. Hallo Sabrina ,
    Ist ja toll was du nun alles erleben kannst ! Ich freue mich für dich und lese deinen Blog mit Vergnügen !
    Wollte dir schon längst schreiben , aber du siehst ja selber wie schnell die Zeit vergeht . Bei uns liegt wenigstens bis zur Johannisburg Schnee und du hast Weihnachten im Sommer ! Ich wünsche dir eine schöne Zeit und schicke liebe Grüsse mit einer festen Umarmung!
    Vreni

Antworte auf den Kommentar von Dürig Beatrice Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert