Am Wochenende darauf hatten Sandra und ich wieder grosse Pläne. Wir fuhren nämlich für ein Wochenende nach New Plymouth. Am Freitagabend, machten wir uns nach der Arbeit auf den Weg und fuhren mit nur einem Stop fürs Abendessen die vierstündige Strecke bis nach New Plymouth. Da es dann doch schon reichlich spät war, gingen wir direkt ins Bett. Am nächsten Morgen hatten wir eigentlich eine Wanderung am Mt. Taranaki (der manchmal auch Mt. Egmond genannt wird) geplant. Leider ist der Berg nicht nur für seine Schönheit berühmt, aber auch für die Tatsache, dass er oft überhaupt nicht zu sehen ist. Und so war es auch bei uns. Obwohl es eigentlich ein ganz schöner Tag war, war der Berg in dicken Nebel gehüllt und tiefliegende Wolken hatten sich um die Spitze gesammelt. Zwar wollten wir wirklich gerne wandern gehen, doch mit dem Ausblick auf eine 6 stündige Wanderung im Nebel und potenziellen Regengüssen, mit 0,00 Aussicht am Berg, verging uns die Lust darauf recht schnell wieder. Stattdessen wandten wir uns vom Berg ab und fuhren in die entgegengesetzte Richtung, in dem verzweifelten Versuch den Wolken davonzufahren. Dies gelang uns ein Stück weit auch, sodass der restliche Tag recht gutes Wetter war.
Da unser erster Plan so kläglich gescheitert war, wollten wir die berühmten Elephant Rocks ca. 1 Stunde nördlich von New Plymouth ansehen gehen. Wie wir nach etwas Recherche herausfanden, war ein Teil der Felsen, zwar vor kurzem eingestürzt und der Elefant sähe nun ein bisschen aus, wie auf den Rüssel gefallen, doch das schreckte uns nicht ab, und wir wollten den Elefanten trotzdem unbedingt sehen. Was wir bei unseren Recherchen leider nicht herausfanden (shame on us) war, dass man nur bei Ebbe zu den Elephant Rocks hinkonnte und wie es das Glück so wollte, war gerade Flut, als wir beim Parkplatz in der Nähe der Rocks ankamen… Ebbe würde erst am Abend wieder eintreten und von unserem Standort aus, konnte man die Rocks einfach partout nicht sehen. Etwas traurig fuhren wir weiter. Doch plötzlich ruft Sandra vom Beifahrersitz „Ich sehe den Elefanten!“, und tatsächlich. Es war zwar nicht DER Elefant, aber der Felsen, den wir von der Strasse aus sehen konnten, sah mit ein bisschen Fantasie trotzdem aus wie ein Elefant.
Auf einer kleinen Wanderung versuchten wir doch noch einen Blick auf den „richtigen“ Elefanten zu erhaschen, dies jedoch vergeblich, da der hinter einer weiteren Klippe versteckt war. Auf unserer Wanderung entdeckten wir in weiter Ferne jedoch etwas anderes. Ein mit Schnee bedeckter Berg strahlte uns entgegen. Jetzt gegen Abend hatte sich Mt. Taranaki doch noch entschlossen sich zu zeigen. Also schnell ins Auto und zurück nach New Plymouth. Der Anblick des Berges war herrlich! Zwar hatte es immer noch einige Wolken um den Gipfel, aber mit der Abendsonne und dem leichten Dunst um den Fuss des Berges sah das Ganze wunderschön aus! Um unsere Wanderung noch zu machen, war es natürlich schon viel zu spät, trotzdem versuchten wir noch so nahe wie möglich an Mt. Taranaki heranzufahren. Zu guter Letzt fanden wir uns beim einzigen und extrem kleinen Skiresort des Berges wieder und hatten nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch ein bisschen Schnee und viel kalten Wind um die Nase.
Am nächsten Tag machten wir nicht mehr viel. Wir hatten New Plymouth am Vorabend schon erkundet und einstimmig beschlossen, dass dies nicht die interessanteste Stadt in Neuseeland ist und jetzt wussten wir eigentlich nicht mehr so recht, was machen. Wir unternahmen noch einen kurzen Walk auf den Paritutu Rock. Einem extrem steilen Felsen direkt am Meer, von dem aus wir die Sugar Loaf Islands sehen konnten. Kleine Felsen, die aus dem Wasser ragen und direkt hinter dem grossen Paritutu Rock sind.
Anschliessend beschlossen wir uns auf den Weg Richtung Wellington zu machen, um ein bisschen etwas anderes zu sehen, nahmen wir jedoch den weiteren Weg aussen der Küste entlang. Diese Strecke ist zwar recht schön anzusehen, aber ausser Kühen und Schafen gibt es da nicht viel.
Unseren nächsten grösseren Stop legten wir in Hawera ein. Eine Lehrerin von uns hatte uns nämlich empfohlen, dass wir ein ganz spezielles Privatmuseum in Hawera besuchen gehen sollten. KD, so heisst der Inhaber, ist schon seit gut 60 Jahren ein leidenschaftlicher Elvis Fan. In seiner ehemaligen Garage hat er dann irgendwann angefangen all seine Elvis Gegenstände zu sammeln. Da er das Muesum nur auf Anfrage aufmacht, schickten wir ihm 2 Stunden vor unserer Ankunft ein SMS um zu fragen, ob er Zeit hätte uns das Museum zu zeigen und er war mehr als glücklich darüber. Von Platten, über Zeitungsartikel, kleine Elvis-Figuren bis hin zu Schlüsselanhänger und Kühlschrankmagneten ist alles vorhanden. Ich weiss nicht wie viele Gegenstände er hat, aber ich bin fast sicher, dass es nichts gibt, dass er noch nicht hat. Doch auf die Frage hin, welches sein Lieblingsstück ist, antwortet er ganz klar – ein Geschenk von einem Mann aus den USA – eine original signierte Elvis-Platte.
KD selber ist ein Phänomen für sich. Die weissen Haare sind gekonnt zur Elvis Locke geformt. Allerdings lässt er uns auch wissen, dass alle Leute ihn immer fragen würden, wieso er sie nicht schwarz färbe. „Ich bin ja schliesslich nicht Elvis, oder?“, sagt er lachend. Auch sonst scheint er ein ganz normaler Mann zu sein, und er freut sich enorm, dass zwei so junge Leute wie wir, die dann erst noch aus Österreich und der Schweiz kommen, sich für das Museum interessieren. So kam uns natürlich auch die spezielle Ehre zu in sein Gästebuch zu schreiben, und da wir aus dem Ausland kommen, unterstreicht er unsere Namen, wie alle deren, die von weit weg kommen mit einem roten Filzstift. Zwar war ich am Anfang etwas schüchtern, und wusste nicht, wie man sich an so einem Ort verhalten soll, aber KD ist eine super Person und wirkt weder überheblich noch einschüchternd. Deshalb war der Besuch im Elvis-Museum ein voller Erfolg.
Von Hawera aus machten wir keine grösseren Zwischenstops mehr, sondern fuhren direkt zurück nach Wellington, das Wochenende war trotz halb verpasstem Berg mega toll.












