Es ist nicht umsonst, dass Wellington auch „Windy Wellington“ genannt wird. Ich wollte es am Anfang nicht wirklich wahrhaben, aber es ist wirklich so, in Wellington windet es praktisch ununterbrochen, was das sonst so milde Klima in Neuseeland zu Zeiten recht frisch erscheinen lässt.

Nach unserem Wochenende in New Plymouth machte sich der Winter doch schon ein bisschen bemerkbar. Es regnete vermehrt und man brauchte eine warme Jacke am Morgen. Doch wir liessen uns davon nicht die Laune verderben.

Direkt am Montag nach unserem New Plymouth Wochenende hatten wir schulfrei, da es „the Queens Birthday“ war. Wir nutzten die Zeit um in einem schicken Restaurant beim High Tea unsere britische Ader auszuleben. Im höchsten Grad nobel schlürften wir mit abgespreiztem kleinen Finger Tee aus goldgerandeten Tassen und genossen die vielen kleinen Leckereien, die uns serviert wurden.

 

Am Wochenende nach unserem New Plymouth Trip, hatten wir schon wieder grosse Pläne. Sandra und Lena waren beide noch nie auf der Coromandel Peninsula und als sie mir von ihren Plänen für ein Wochenende dahin zu fliegen, konnte ich einfach nicht wiederstehen. Noch immer hatte ich einige Freunde in Whitianga und es würde in etwa meine letzte Möglichkeit sein sie alle zu sehen. Deshalb buchte ich am Dienstag absolut spontan einen Flug nach Auckland. Ich konnte es kaum abwarten wieder zurückzugehen. Die erste Enttäuschung kam dann am Donnerstag. Ich textete mit Fa und sie erzählte mir freudig, dass sie mit der ganzen Schule für 2 Tage nach Rotorua fahren würden, somit fiel dieser Teil des Plans schonmal ins Wasser. Trotzdem freute ich mich auf den Trip. Ein bisschen wehmütig war ich allerdings, als ich im Flugzeug sass und aus dem Fenster sah, erspähte ich in der Ferne einen einzelnen schneebedeckten Berg. Wolkenfrei und wunderschön. Mt. Taranaki blinzelte mir zu, während mein Flugzeug Kurs auf Auckland nahm und ich dachte nur: „Warum konnten wir den New Plymouth Trip nicht eine Woche später machen…?“ Naja, das gute Wetter sollte uns natürlich auch in Whitianga zu Gute kommen.

Nachdem ich in Auckland gelandet war und das Mietauto abgeholt hatte, fuhr ich in die Stadt, um Julien zum Abendessen zu treffen. Um Geld zu sparen, hatte ich nämlich einen früheren Flug als die anderen gebucht uns hatte deshalb etwas übrige Zeit. Um 21.00 Uhr holte ich die zwei dann vom Flughafen ab und wir fuhren die zweieinhalb Stunden bis nach Whitianga.

Am nächsten Tag machen wir uns dann bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zu den bekanntesten Sights. Dies beinhaltete zum Einen Cathedral Cove und Hot Water Beach. Hier zeigte sich nun der absolute Vorteil, vom Reisen im Winter: Obwohl es ein wunderschönes Wetter war, waren kaum Leute an der Cove oder am Beach – und das ist im Sommer undenkbar. So nutzten wir die Gelegenheit ein paar touristenfreie Fotos zu schiessen. Es war ein mega warmer Tag und nach einem Glacé in Kuoatunu genossen wir die Zeit an Otama Beach bevor wir uns nach dem Sonnenuntergang eine Pizza bei Lukes Kitchen genehmigten. Wir beendeten den Abend im Pub von Whitianga wo wir uns in Billiard versuchten. Und als ob das Wochenende nicht noch besser hätte werden können, textete Fa mir, dass sie soeben aus Rotorua zurückgekommen seien. Wir verabredeten uns fürs Frühstück am nächsten Morgen und das machte mein Wochenende perfekt.

Am Sonntagmorgen, traf ich mich früh mit Fa zum Frühstück, während Sandra und Lena sich einige Stunden lang alleine beschäftigten. Es war wunderbar wenigstens ein bisschen Zeit mit Fa zu verbringen und wir planen schon jetzt unsere Reunion in Thailand.

Anschliessend fuhren Sandra, Lena und ich nach Coromandel. Coromandel Town ist ein extrem kleiner Ort, sodass wir uns nach dem Mittagessen direkt auf den Weg zurück nach Auckland machten um gegen Abend den Flug zurück nach Wellington zu fliegen.

 

In der darauf folgenden Woche war ausser Schule und Arbeit nicht viel los. Mit den Kindern lief es immer besser, wir hatten zwar einge Angewöhnungszeit gebraucht, aber nun hatten wir eine echt gute Zeit zusammen.

Am Samstagabend stand ein weiteres Rugbygame an. Die berühmten All Blacks gegen Frankreich. Zusammen mit Grant und Bob ging ich das Spiel im Wellingon Stadium anschauen und die Atmosphäre war super!

Abgesehen davon war das ganze Wochenende dem Sport gewidmed, denn am Sonntagnachmittag gingen wir mit der ganzen Familie ein Netball Game schauen.

Am zweitletzten Wochenende im Juni besuchte ich die Weta Caves in Miramar. Diese Studios sind unter anderem für die Specialeffects, Waffen, Kostüme und Masken der Herr der Ringe und Hobbit Filme verantwortlich sind. Das Museum mit anschliessendem Shop ist nicht mega gross, jedoch werden die Besucher von drei riesigen Bergtrollen begrüsst und drinnen wartet ein lebensgrosser Ork auf einen.

 

Am nächsten Tag, dem Sonntag, machte ich mich mit einigen Freunden, für einmal nicht Lena und Sandra, auf den Weg nach Castle Point and der Ostküste.

Dort besichtigten wir den berühmten Leuchtturm und hatten, weil wir die einzigen dort waren, ein Photoshooting vor Ort.

 

Die darauffolgende Woche war aus zwei Gründen speziell. Erstens, weil ich am Montagmittag extrem spontan Javier treffen konnte und zweitens, weil es (endlich) meine letzte Schulwoche war.

Am Sonntagabend bekam ich plötzlich eine Nachricht von Javier, er würde am nächsten Morgen um 8.00 in Wellington landen und um 16.00 Uhr wieder zurück nach Nelson fliegen, ob ich Zeit hätte ihn zu treffen. Da ich ihn seit März, als wir gemeinsam nach Wellington gereist sind, nicht mehr gesehen hatte, war ich natürlich mehr als glücklich meine letzte Schulstunde für ihn und ein gemeinsames Mittagessen sausen zu lassen. Schliesslich würden wir ja Englisch miteinander reden und das war evt. sogar mehr als man vom Unterricht behaupten konnte.

Alles in allem war meine letzte Woche sehr unspektakulär. Das Interessanteste was man darüber sagen kann, ist, dass ich überhaupt nicht traurif war zu gehen. Vier Monate zuvor, als ich COLC verlassen musste, fiel mir der Abschied richtig schwer, doch nun fühlte ich überhaupt nichts. Auch an dieser Schule war es Tradition, dass die Schüler eine Rede hielten bevor sie gingen. Diese beendete ich kurz und knackig nach nicht mal einer Minute, was verglichen zu der sieben minütigen Rede, die ich in Whitianga hatte, fast schon eine Beleidigung war. Eine schöne Überraschung erwartete mich dann aber Zuhause, da meine Hostmum mir zur Feier des Tages mit einem riesigen Blumenstrauss aufwartete.

Das kommende Wochenende war Sandras letztes Wochenende in Neuseeland und da sie nur noch einen grossen Punkt auf der Liste hatte, machten wir uns am Samstag auf den Weg zum Tongariro National Park um Skifahren zu gehen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich nie Skifahren gelernt und ausser zwei unbeholfenen Versuchen auf Langlaufskiern (was überhaupt nicht das Selbe ist, wie ich feststellen durfte), hatte ich noch nie auf Skiern gestanden. Dies sollte sich nun ändern. Nachdem wir am Samstag angereist waren, machten wir uns am Sonntag in aller Frühe auf den Weg zum Berg. Lena, würde mich zu meiner ersten Skistunde begleiten, da es auch für sie der erste Versuch sein würde, während Sandra alleine Fahren ging.

Leider war das Wetter diesmal ganz und gar nicht auf unserer Seite. Es regnete und schneite abwechselnd und alles war nach kurzer Zeit pitsch-nass. Dennoch muss ich sagen, dass mir das Skifahren ganz gut gefiel und ich am Abend auf einen erfolgreichen und überraschenderweise sturzfreien Tag zurückblicken konnte. Wenn man das mit meiner ersten und einzigen Snowboard-Erfahrung verglich, ein voller Erfolg, wenn nur die Schuhe nicht so sau unbequem wären…

 

In der darauffolgenden Woche war chillen angesagt. Sandra und ich, hatten beide eine Woche schulfrei und mussten nur am Nachmittag arbeiten, da wir auch beide in der gleichen Area wohnten, verbrachten wir praktisch die ganze Zeit bei jemandem von uns beiden Zuhause, schauten Serien, backten Pancakes und Waffeln und genossen das Nichtstun. Ganz untätig waren wir jedoch nicht, auch wenn wir uns, um ehrlich zu sein, nur aus dem Haus bewegten, um auswärts zu essen:

Am Dienstag waren wir bei Jenny eingeladen, einer Chinesin aus unserer Klasse, die uns auf einen typischen chinesischen Hot Pot eingeladen hatte. Dies ist eine Art Fondue Chinoise nur mit etwas speziellen Beilagen. Nebst Rindfleisch gab es da auch Seaweed, Fischkugeln, eine Art Glasnudeln und jede Menge Tofu in diversesten Formen zur Auswahl. Wir assen uns tapfer durch alle Dinge, die uns aufgetischt wurden und versuchten uns nicht anmerken zu lassen, wie scharf die Suppe für uns war. Für Sandra war das Ganze noch eine spezielle Herausforderung, sie ist nämlich Vegetarierin.

Das war aber noch nicht das einzige kulinarische Erlebnis. Am Mittwoch trafen wir uns dann mit Lena zum Frühstück, und am Freitagmittag mit unseren zwei Freunden aus Thailand zum Lunch. Freitagabend jedoch übertrafen wir uns selber, es war Sandras letzter Abend und wir wollten noch einmal all unsere Lieblingsdinge essen gehen. Alles begann mit Pizza in der Pizzeria Napoli, das anschliessende Dessert waren Waffeln vom Waffelstand, und gescheiterweise hätten wir dann aufgehört. Trotzdem entschieden wir uns noch auf ein Frozen Yoghurt zu gehen, und weil uns nach all dem Süssen wieder nach Salzig war, gabs dann im Anschluss noch Pommes bei Mamma Brown. Man war uns allen schlecht danach. Naja, man muss halt auch so seine Erfahrungen machen… ^^

Am Samstag kam dann der schwere Abschied von Sandra, die sich hier in Wellington zu meiner besten Freundin entwickelt hatte. Selbstverständlich brachte ich sie noch zum Flughafen, und wir versprachen uns hoch und heilig, uns sobald wie möglich, in der Schweiz, in Österreich oder in London (wo sie ab September studieren wird) wiederzusehen.

 

Nun, brach meine letzten vier Wochen in Wellington an, und die sind im Grunde genommen schnell erzählt. Die ersten zwei davon waren Schulferien bei den Kids. Die erste Woche waren sie Zuhause und auch Janes Mutter wohnte für die Woche bei uns. Deshalb hatte ich mehr oder weniger frei, und war nur weiterhin fürs Abendessen zuständig. In der zweiten Ferienwoche dann, war meine Hostfamilie auf Fiji in den Ferien, wodurch ich das Haus für mich hatte und mich mal wieder mit Nichtstun beschäftigte. Das stimmt zwar so nicht ganz, ich hatte einige Freunde aus Whitianga zu besuch und arbeitete viel an meinen Abschiedsgeschenken für die Familie, sodass die Zeit wie im Flug verging.

Nach den Ferien, standen nur noch zwei normale Wochen an und ich begann langsam all meine Sachen zu packen, die Geschenke fertigzustellen und mich an den Gedanken zu gewöhnen, bald zu gehen. Dies viel mir um einiges leichter, als ich gedacht hätte, zumal ich es irgendwie nicht wirklich begriff, es fühlte sich viel mehr an, als würde ich in die Ferien fahren und danach zurückkehren.

An meinem letzten Wochenende war am Samstag die Mondfinsternis, die bei uns gerade vor Sonnenaufgang stattfand, Jane und ich beschlossen daher auf den Mt. Kaukau raufzulaufen, um beides zu sehen. Leider, war es schon ein bisschen sehr hell und etwas zu wolkig, sodass wir den Mond fast gar nicht mehr sahen, dafür einen umso schöneren Sonnenaufgang.

Besonders süss fand ich jedoch meine ältere Hosttochter, in meiner letzten Woche kam sie des öfteren zu mir, und umarmte mich grundlos und sagte mir, dass ich nicht gehen dürfe und auch der Grant (Hostvater) betonte mehrmals, dass es sehr komisch sein würde, wenn ich weg sei. Der Abschied kam schnell, am Freitagabend gingen wir mit der ganzen Familie Abendessen und anschliessend tauschten wir unsere Geschenke aus. Wir freuten uns alle riesig über unsere gegenseitigen Geschenke und ich mich ganz besonders über die selbstgemachte Pavlova von meiner Hostmum – hatte ich doch in der Woche zuvor erwähnt, dass ich noch nie eine selbstgemachte Pavlova hatte – und sie überraschte mich an meinem letzten Abend dann damit.

 

Am Samstagmorgen (4. August) war es für mich dann Zeit, mich von meiner Hostfamilie zu verabschieden. Dabei fiel es mir gar nicht so schwer, denn erstens hiess das, dass ich einmal mehr nach Whitianga zurückkehren konnte und zweitens, dass endlich meine Reisezeit und mein Trip nach Australien begann.

 

Ich hatte beschlossen, dieses Mal nicht in einem Tag nach Whitianga zu fahren, denn neun Stunden sind einfach viel zu viel. Stattdessen ging ich auf ein Angebot einer Ex-Lehrerin aus Whitianga ein, die mittlerweile in Taupo lebt und übernachtete eine Nacht bei ihnen. Am Sonntag brachte ich dann die zweite Hälfte der Reise hinter mich.

In Whitianga angekommen, musste ich als erstes einen Halt am Strand machen und mir die Meeresluft um die Nase wehen lassen. Dann fuhr ich zurück zu meiner alten Hostfamilie, da auch sie angeboten haben, dass ich für die zwei Nächte bei ihnen übernachten könne. Begrüsst wurde ich nur von Zoé, der Katze, da Joan und Ron bis spät in die Nacht hinein an einem Event im Nachbarsdorf waren. Dies kam aber auch mir zu Gute, da ich so die Gelegenheit hatte, mit einigen Freunden Abendessen zu gehen.

Am Montagmorgen, machte ich mich dann pünktlich um 9 Uhr auf den Weg zur Schule um die neuen Schüler zu begrüssen und wurde selber wieder mit offenen Armen empfangen. Den restlichen Tag verbrachte ich dann mit Gabriel und Bernice in Bernices Haus und wir hatten einen super Tag zusammen. Danach fuhr ich nach Hause um für meinen Australien Trip zu packen und den Abend mit meiner Ex-Hostfamilie zu verbringen. Joan und Ron waren beide überglücklich mich wiederzusehen, Joan umarmte mich mindestens dreimal und wollte mich gar nicht mehr loslassen, und Ron, der normalerweise gar nicht viele Emotionen zeigt, strahlte über das ganze Gesicht.

 

Ja… jetzt sind wir endlich wieder in der Gegenwart angekommen. Wie ich diese Zeilen schreibe, sitze ich gerade in meinem alten Zimmer in Whitianga und fühle mich, als wäre ich nie weggewesen.

Morgen um 12.30 Uhr nehme ich den Bus nach Auckland und am Mittwochmorgen um 8.00 Uhr geht mein Flug nach Sydney. Mein Rucksack ist gepackt – eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass ich für zwei Monate nicht mehr als 15kg dabeihaben kann – und alles ist bereit.

Meine einzige Angst ist jetzt, dass ich aus irgendeinem Grund verschlafe und es nicht rechtzeitig zum Flughafen schaffe. Deshalb werde ich mir bestimmt um die 5 Wecker stellen. Wünscht mir Glück.

Liebe Grüsse an all meine fleissigen Leser, und bis bald.

 

P.S.: Ich werde aus Platz- und Gewichtsgründen, meinen Laptop nicht mit nach Australien nehmen, und bin daher noch nicht sicher, ob ich dazu kommen werde etwas zu schreiben, während ich da bin. Ich wünsche euch aber allen eine gute Zeit!

2 Kommentare

  1. Also nei, liebs Gotteli, denn wirds mir jo grad langwiilig, wenn ich sooo lang nüt meh chan läse vo dir. Und denn han ich jo no meh langi Zyt nach dir; mis Herzli tuet mir suscht scho weh, well ich dich scho soooo lang nüme han chöne id Arme schlüsse.
    Aber ich wünsch dir gaaaanz en tolli Zyt in Australie, mit vielne wunderschöne, idrückliche Erlebnis.

    Dicke Knuddel mit Küssli
    dis Gotti

    1. Heyy liebs Gotti, ja ich weiss scho, isch e cheibe langi Ziit. Vilicht chani denn mal de Laptop vo mim Kolleg stibize und det druf epis schriibe. Mal luege.
      Obwohl ich jetzt i dene (genau uf de Tag) 9 Monet würkli no nie Heiweh gha han, vermissi mini Familie und Fründe natürli scho mega und wünscht mengmal ihr wäred all au chli da.❤
      Ich wünsch dir aber ganz e gueti Ziit und mer ghört sich glii wieder.
      Küssli und Knuddel
      Sabrina

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