Heute mussten wir früh aufstehen, denn nach langem Warten, Planen und Herbeisehnen ging es endlich nach Irland in die Ferien. Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker, denn schon um 6.41 mussten wir auf dem Zug sein. Natürlich gab es, wie immer wenn man in die Ferien geht, kurz vor der Abreise noch etwas Stress. Alle mussten nochmals duschen, das Handgepäck war eben doch noch nicht ganz fertig gepackt, wo ist meine ID?, haben wir das Geld, die Schlüssel, wir müssen uns beeilen, in 10 Minuten müssen wir los.
Zum Glück hatten wir unseren grossen Koffer schon am Vortag eingecheckt, denn mit all der Bagage und den vielen Leuten im Zug hätten wir es sicher nicht mehr rechtzeitig geschafft.
Schlussendlich verlief die Reise dann aber problemlos und wir kamen pünktlich am Flughafen an. Da wir auch schon elektronisch von zu Hause aus eingecheckt hatten, konnten wir sogleich durch den Zoll gehen und uns danach im Marché endlich ein Gipfeli gönnen.
Der Flug verlief einigermassen ruhig und nach ca. zwei Stunden in der Luft kamen wir mit einer leichten Verspätung in Dublin an. Nachdem wir dann auch noch unser Mietauto, einen schwarzen Opel Saphira abgeholt hatten, fuhren wir los in Richtung Donegal, wo sich (in etwa) unser erstes Ferienhaus befand.
Fahren auf der linken Strassenseite war angesagt und Papi meisterte diese Aufgabe mit Bravur. Wir unterstützten ihn tatkräftig dabei, indem wir beim losfahren immer „links“ riefen. Schliesslich landeten wir auf der N3, die uns irgendwann nach Enniskillen in Nordirland führte. Dort machten wir einen ersten richtigen Stopp und assen in einem Kentucky Fried Chicken ein spätes Mittagessen.
Was mir in Nordirland speziell auffiel, waren die vielen Englandfahnen, die überall herumhingen. So konnte man gar nicht nicht bemerken, dass man sich nun in Nordirland befand und das obwohl es keinen echten Zoll zwischen Irland und Nordirland gibt.
Auch die Iren sind stolz darauf zu Irland zu gehören. Es gibt fast kein Haus vor dem nicht mindestens eine Flagge in den Farben Irlands hängt. Ausserdem ist in Irland immer alles zweimal angeschrieben. Einmal auf Irisch und einmal auf Englisch. Bisher ist das Irische für uns aber ziemlich unverständlich, da man keinen Bezug zu irgendeiner uns bekannten Sprache erkennen kann.
Irgendwann erreichten wir die Kreuzung, an der wir laut Wegbeschreibung des Vermieters links abbiegen mussten. Das führte uns auf eine schmale, ungeteerte Strasse, die zu beiden Seiten von hohen Rhododendronbüschen gesäumt war. Das Grünzeug reichte direkt bis an die Strasse und war so dicht, dass man nicht hindurchschauen konnte. Ca. einen Kilometer ging es in diesen Dschungel hinein. Unterwegs kam man an einer Ruine vorbei. Ein altes Steinhaus, das so von Efeu und anderen Pflanzen eingewachsen war, dass man die Mauern fast nicht mehr erkennen konnte.
Endlich kamen wir zu einem Tor mit roten Mauern und kurz darauf konnten wir das rote Haus „Rhododendron Inn“ sehen. Auf die Freude darüber das Haus gefunden zu haben, folgte erstmal die grosse Enttäuschung, denn er Schlüssel, den der Vermieter uns vorgängig zugeschickt hatte, passte nicht ins Schloss.
Nach einigen vergeblichen Versuchen, rief Papi den Vermieter an, der uns die Wegbeschreibung einer gewissen Mary angab, die uns zum Glück den passenden Schlüssel geben konnte.
Das Haus war relativ klein, aber gemütlich. Nebst einer offenen Küche, gab es im Erdgeschoss noch ein Schlafzimmer für die Eltern, ein sehr grosses Badezimmer und einen Wohnbereich mit Esstisch und Sofas. Im oberen Stock befand sich das Schlafzimmer für die Kinder, sowie eine kleine Sitzecke.
Das grösste Problem war, dass es im Haus recht kalt war. Deshalb zogen wir uns für den Anfang warm an und drehten die Heizung voll auf. Da es inzwischen recht spät war, fuhren wir gleich noch einmal los, um etwas z essen einzukaufen. Der Eurospar in der Nähe hatte schon geschlossen, weshalb wir ins nahe Donegal fuhren und dort in einem Einkaufszenter unser Abendessen einkauften.
Den Abend verbrachten wir gemütlich in unsere Decken gekuschelt (es war immer noch recht kalt) mit Brownies vor dem Fernseher.
Was ich bisher bei meiner Erzählung völlig vergessen hatte, war das Wetter. Bei unserer Ankunft war es noch relativ freundlich und die Sonne blinzelte zwischen den Wolken hervor. Auf unserer Fahrt regnete es immer mal wieder für kurze Zeit und am Abend, als wir dann endlich richtig angekommen waren, schüttete es draussen wie aus Kübeln, was uns allerdings nicht weiter störte.





