Warm eingekuschelt wachte ich heute Morgen gegen halb 10 Uhr auf. Die Sonne schien ins Zimmer und für einen kurzen Augenblick wunderte ich mich, wieso ich nicht schon viel früher aufgewacht war, denn normalerweise kann ich nicht gut schlafen, wenn es nicht dunkel ist.
Irgendwann beschloss ich, dass es an der Zeit war aufzustehen und ich ging hinunter. Mami und Papi machten sich gerade bereit ins Dorf zu fahren um noch etwas einzukaufen. Ich ging nach draussen und genoss en paar Sonnenstrahlen. Die letzten für diesen Tag, denn am Himmel zogen schon wieder dunkle Wolken auf. Auf der Weide neben dem Haus sah ich heute erstmals das weisse Pferd, von welchem es in der Hausbeschreibung heisst, es sei ruhig und freue sich sehr über Menschen am Haus. Naja ob das Pferd sich über unsere Anwesenheit freute ist schwierig zu sagen, jedenfalls wirkte es neugierig und ich konnte einige Fotos von ihm machen.
Wieder im Haus versuchte ich meine Haare unter Kontrolle zu bringen. Leider erwies sich die Dusche als Witz, denn die Brause berieselte meinen Kopf so schwach, dass es eine Weile dauerte, bis ich Wasser auf der Haut spürte. Nachdem dieses Problem behoben war, frühstückten wir und machten uns gegen 11 Uhr auf den Weg. Da wir schon etwas spät dran waren, beschlossen wir für heute in der näheren Umgebung zu bleiben.
Mit dem Auto fuhren wir zuerst nach Donegal, wo wir in einem Touristenzenter viele Prospekte sammelten, mit Ideen, was man hier noch alles so machen könnte. Anschliessend fuhren wir weiter nach Killybegs, wo wir auf die Küstenstrasse des „Wild Atlantic Ways“ fuhren. Diese Strasse führte mehr oder weniger an der Küste entlang und nach einiger Zeit führte ein Weg tatsächlich hinunter zum Strand. Das liessen wir uns natürlich nicht entgehen, sondern statteten dem Meer einen ersten Besuch ab. Am Strand hatte es auch einige andere Besucher, darunter auch ein paar waagemutige Iren, die sich in Badehose in die Fluten stürzten.
Wir waren von dieser Idee nicht ganz so begeistert und begnügten uns damit, am Strand entlang zu spazieren, Muscheln zu sammeln und Fotos zu schiessen. Nach einer Weile fuhren wir auf der Küstenstrasse weiter Richtung Westen und kamen schliesslich nach Teelin. Von dort aus kann man zu den höchsten Klippen Europas laufen. Den Slieve Leagues. Bevor wir allerdings zu diesen 595 m hohen Klippen liefen, machten wir einen Abstecher in Ti Linns Café Craft Shop. In diesem hübschen Café gab es für die eine Hälfte Kaffee und Kuchen und für die andere nur Kuchen mit etwas anderem zu Trinken.
Frisch gestärkt machten wir uns anschliessend an den Aufstieg zu den Klippen. Viele andere Besucher wollten ebenfalls diese beeindruckenden Steilwände sehen, weshalb wir alles andere als alleine waren. Unser Aufstieg wurde ausserdem vom „Mähen“ der zahlreichen Schafen und Ziegen begleitet, die an den grünen Hängen grasten.
Oben angekommen bewunderten wir die eindrucksvollen Klippen und amüsierten uns ein bisschen über die vielen Touristen, die ungeachtet des kalten Windes und des sonnenlosen Tages Glacé assen. Einzig und alleine aus dem einfachen Grund, weil es dort oben Glacé zu kaufen gab.
Irgendwann begann es zu regnen und so machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Es war nun etwa 6 Uhr, doch irgendwie hatte noch niemand von uns richtig Lust nach Hause zu fahren. Wir fuhren also noch etwas weiter. Diesmal nach Norden. Doch unterwegs begann es immer stärker zu regnen, weshalb wir das warme Auto nicht mehr verliessen.
Wir fuhren über Land und die einzigen Lebewesen, die wir antrafen waren noch mehr Schafe. Dazu muss man sagen, wer denkt, dass es in Schottland viele Schafe gibt, der hat mit Sicherheit Recht. Doch seit heute weiss ich, dass es auch in Irland viele Schafe gibt und auch in Irland laufen und „mähen“ die Schafe mit Vorliebe auf der Strasse. So verlief unsere Fahrt nach Ardara recht unterhaltsam, denn immer mal wieder blökten uns Schafe an, wenn wir in Schritttempo an ihnen vorbeifuhren. Merkwürdig sind dabei vor allem die Farben der Schafe. Die Besitzer kennzeichnen ihre Herden mit Farbe. Aber nicht mit kleinen Punkten im Nacken, nein. Meistens ist der gesamte Rücken der Schafe blau, grün oder rot. Solltet ihr jemals in Irland an einem Hang blaue Punkte sehen, so wundert euch nicht, das sind ganz einfach Schafe, die in einen Farbtopf gefallen sind.
Nachdem wir in Ardara vergeblich nach einem guten Take Away gesucht hatten, meine Familie wollte heute unbedingt Fish & Chips essen, fuhren wir zurück nach Donegal. Dort gab es im Central Hotel endlich das lang ersehnte Fish & Chips.
Auf dem Nachhauseweg haben wir dann noch etwas herausgefunden. Wie schon erwähnt, sieht man vor fast jedem Haus eine grün-gelbe Flagge. Dies, so wissen wir nun, ist nicht etwa der übereifrige Patriotismus der Iren, sondern eine Fanbekundung. Offenbar findet in nächster Zeit ein wichtiger Match zwischen Donegal und einem anderen Club statt und die Leute in der Umgebung sind offenbar glühende Fans. Das einzige was es jetzt noch herauszufinden gilt, ist, um welche Sportart es sich dabei handelt.





