Cambridge Studio

Als ich heute um 7.30 Uhr aufstand, war der Himmel wolkenverhangen und es sah nach Regen aus. Ciara und Leon waren schon auf und machten sich bereit für Schule und Arbeit. Ciara drückte mir noch schnell einen Hausschlüssel in die Hand, bevor sie zu ihrem Taxi eilte, das sie zur Arbeit bringen würde.

Auch ich bereitete mich auf den Tag vor. John hatte am Vorabend noch versprochen mich am ersten Schultag in die Schule zu fahren und er meinte, dass wir um ca. 8.15 Uhr losfahren sollten. Ich frühstückte in der Küche und vertrieb mir die Zeit, in der ich auf John wartete damit, dass ich Conall streichelte. Langsam schien der junge Hund sich an mich zu gewöhnen, denn er legte sich auf den Rücken und wollte am Bauch gestreichelt werden.

Nachdem John Darcy und Larry noch zugerufen hatte, sie sollten sich beeilen, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Zu dieser Fahrt kann ich nur sagen: Solltet ihr jemals auf die hirnrissige Idee kommen morgens in die Stadt Cambridge hineinfahren zu wollen… Dann lasst es! Unzählige Autos, Velofahrer und noch schlimmer Busse, wollen in der morgendlichen Rush-Hour in die Stadt hinein. Dasselbe gilt übrigens für den Abend, dann nämlich, wenn alle wieder heraus wollen.

John und ich standen uns Meter um Meter weiter in die Stadt hinein und ich begann ernsthaft daran zu zweifeln, ob wir jemals beim Cambridge Studio ankommen würden. Doch John wohnt schon so lange in Cambridge, dass er inzwischen alle guten Schleichwege kennt und so kamen wir (nachdem wir mindestens 5 selbstmörderischen Velofahrern ausgewichen waren) doch noch rechtzeitig bei der Schule an. Beim Aussteigen rief John mir noch zu, dass es um 18.30 Uhr Abendessen gäbe und dann stürzte er sich wieder ins Getümmel.
Ich gesellte mich zu unserer Klasse, die vor dem Studio auf Herr und Frau Fricker warteten. Es gab natürlich nur ein Thema: Die Gastfamilie. Viele waren zufrieden mit ihrer Familie, doch es gab auch Leute, die es weniger gut getroffen hatten. So auch Céline. Offenbar war bei ihr zu Hause alles sehr schmutzig und unaufgeräumt. Sie konnte sich nicht vorstellen dort zwei Wochen zu wohnen. Da Herr Fricker uns schon im Vorfeld gesagt hat, dass wir uns bei Problemen mit der Gastfamilie sofort melden sollten, tat sie dies dann auch und Herr Fricker versprach sich sofort darum zu kümmern.

Dann ging es zuerst einmal in die zugeteilte Klasse. Insgesamt gab es aus unseren beiden HKV Klassen drei Klassen. Ich war in der Middle-Leveld eingeteilt. Zusammen mit Céline, Tabea, Jérôme und ein paar KV Leuten.

Am Morgen hatten wir Unterricht bei einer Lehrerin namens Jo. Jo war recht freundlich und auch der Unterricht war interessant. Was etwas schade war, dass sie so schnell vorwärts machte. In einem irren Tempo raste sie durch die Aufgaben und man hatte praktisch keine Zeit das zu verinnerlichen.

Um 12.30 Uhr hatten wir eine Stunde Mittag. Essen gab es im nahen Subway, wo wir uns alle mit Sandwiches eindeckten. Am Nachmittag ging der Unterricht weiter. Diesmal bei Gary. Gary ist ein sehr lustiger Typ. Bei ihm gibt es nur drei Regeln:

  1. Kein Handy im Unterricht
  2. Keine deutschen Gespräche
  3. Wenn man ihm Schokolade oder Geld bringen will, ist das in Ordnung.

Das mit „Keine Gespräche auf Deutsch“ versuchte er auch so weit durchzusetzen, als wir jedoch zur Auflockerung ein kleines Spiel spielten, brachte er uns alle, mit seinen mehr oder weniger vergeblichen Versuchen auf Schweizerdeutsch zu zählen, zum Lachen. Besonders das „ü“ machte ihm zu schaffen und seine Versuche „drü“ richtig auszusprechen, sorgte für allseitiges Gelächter.

Auch sonst ist Gary ein super Typ. Er wollte zum Beispiel als Erstes, dass wir unsere Namensschilder wegräumen, denn er sagt, er sei gut im Namen merken. So macht er sich stattdessen einfach zu jeder Person eine Eselsbrücke. Seine Eselsbrücke sich meinen Namen zu merken: „Sabrina the witch“. Na vielen Dank auch… Immerhin durfte ich mir aussuchen, ob ich eine gute oder böse Hexe sein wollte.

Nachdem wir um 15.00 Uhr die Schule aus hatten, warteten wir noch mit Céline zusammen, um zu sehen ob sie noch heute in eine neue Gastfamilie umziehen könnte. Nach einer Weile vor dem Sekretariat herumwarten, war dann klar, dass sie zu einer neuen Familie umziehen würde. Eine Mutter mit ihrem 16 jährigen Sohn.

Céline ging also zurück zu ihrer alten Familie um ihre Sachen zu packen und darauf zu warten, dass sie abgeholt werden würde.

Tabea, Jana und ich machten uns auf um die Innenstadt unsicher zu machen. Irgendwann am Nachmittag hatte es zu regnen begonnen, doch wir wollten uns von ein bisschen Nass nicht abhalten lassen und machten uns dennoch auf den Weg. Wir gingen in die Market Street, um ein bisschen zu bummeln. Wir sahen viele interessante Läden. Darunter einen Bücherladen und einen Süssigkeiten-Laden in den wir einfach hineingehen mussten, nur um drin gewesen zu sein.

Irgendwann wurden wir müde und wir setzten uns in den Bus, der uns nach Cherry Hinton bringen würden, das Quartier, in welchem wir alle wohnten. Durch den Abendverkehr kamen wir erst um ca. 18.00 Uhr bei der richtigen Bushaltestelle an.

Beim nach Hause laufen, musste ich feststellen, dass mein Weg mich an einem alten Friedhof vorbeiführt, was mir ein bisschen unheimlich ist. Zu Hause angekommen lernte ich dann auch noch Larry den ältesten Sohn kennen und kurz darauf gab es Abendessen.

Nach dem Essen um ca. 8 Uhr beschlossen wir noch in einen nahen Pub zu gehen, wo wir auch den Rest unserer Klasse treffen würden. Bevor ich aufbrach, gab mir John noch seine Handynummer und sagte mir, dass ich ihn jederzeit anrufen sollte, falls es irgendwelche Probleme gäbe. Ausserdem schlug er mir noch viele gute Pubs in Cambridge vor, in die wir gehen könnten.

Der Pub in dem wir uns trafen hiess Robin Hood und war nur ca. 15 Minuten mit dem Bus entfernt. Es war ein ruhiger Pub und so wurde es ein sehr gemütlicher Abend.

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