Als ich erwachte, regnete es. Allerdings war das nicht nur ein kleiner Schauer, wie man vielleicht erwartet hätte, nein! ES goss wie aus Kübeln. Das sah nach einem recht trüben Tag aus. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Nachdem wir schlussendlich alle wach waren, zogen wir ohne Frühstück los, denn wir wollten das Mega-Spar-Restaurant in der Nähe testen. Unterwegs kamen uns extrem viele Autos entgegen. Das könnte man nun natürlich der Tatsache zuschieben, dass es Sonntag war, allerdings hatten wir das seltsame Gefühl, dass da noch etwas anderes dahinterstecken musste. Diese Vermutung bestätigte sich beim Frühstück. Es hatte relativ viele Leute in dem Restaurant und praktisch alle trugen ein grün-gelbes Fan-Trikot. Während wir so frühstückten fuhren sogar zwei Busse vor, die Ladungen von Fans, alle in leicht bis stark angetrunkenem Zustand, ausluden.
Jetzt wollten wir endlich wissen, für welche Sportart sich die Iren so dermassen interessierten, denn ganz offensichtlich fand heute dieser legendäre Match statt, auf den sie schon seit langem hinfieberten. Wie könnte man so etwas leichter herausfinden, als im Internet… und siehe da. Heute spielten die Footballmannschaft von Donegal gegen die aus Monaghan um den „Ulster Senior Football Title“ und offenbar war heute das ganze County Donegal unterwegs nach Clones, o dar Match stattfand.
Froh machten wir uns deshalb auf in den Norden, denn wenn die ganzen Leute mit Football beschäftigt waren, wären die Strassen sicher menschenleer, hofften wir.
Von Donegal aus fuhren wir nach Derry und von dort nahmen wir die Causeway Coastal Route. Schon auf Höhe Derry stellten wir fest, dass es wohl noch schönes Wetter geben würde und als wir auf die Küstenstrasse bogen schien tatsächlich die Sonne. Die Route ist eine Strasse ganz im Norden von Nordirland, an der viele alte Burgen und Schlösser, aber auch andere beeindruckende Naturphänomene liegen. Den ersten Stopp legten wir beim Downhill Demesne und dem Moussenden Temple ein. Das war eine grüne Parkanlage, wo man nach einem kurzen Spaziergang links auf dem Hügel ein altes Mausoleum stehen sehen konnte. Wir bogen jedoch rechts ab und erklommen einen Hügel auf dem das beeindruckende Downhill House stand. Heute liegt das 1774 erbaute Haus in Tümmern, doch die riesige Ruine und der Blick aufs Meer ist auf jeden Fall einen Besuch wert.
Etwas näher am Meer vorne liegt der Mussenden Tempel. Der Tempel wurde direkt an der Klippe erbaut und unten erstreckt sich das tiefblaue Meer. Ein Anblick, der einem wirklich die Sprache verschlägt. Übrigens, für alle Game of Thrones Begeisterten, der Strand unten am Meer, mit dem Tempel als Kulisse war Schauplatz der Götterverbrennung, die Lady Melisandre zu Ehren ihres Gottes R’holar vollführte.
In Wirklichkeit wurde der Tempel früher als Bibliothek verwendet, doch heute ist der einzelne Raum leer. Wir hatten Glück, denn genau heute spielte im Tempel ein Mann Gitarre und sang dazu alte irische Lieder. Ihm zuzuhören, in diesem einzigartigen Raum, mit Blick aufs Meer, erzeugte eine sehr tolle Stimmung.
Nachdem wir den Tempel besichtigt hatten, fuhren wir weiter auf der Causway Coastal Route. Das mit dem Autofahren in Irland ist aber so eine Sache. Die Iren fahren zwar sehr gerne und sehr schnell Auto, doch von Verkehrsregeln haben viele von ihnen wohl noch nie etwas gehört. Wenn jemand ihnen zu langsam fährt, dann überholen sie ihn, egal wie übersichtlich ein Weg gerad ist. Der Blinker ist bei den meisten Iren entweder kaputt oder sie halten ihn einfach für so überflüssig, dass sie ihn schlichtweg einfach ignorieren.
Andererseits sind da die Geschwindigkeitsbegrenzungen. In der Schweiz fährt man, wenn es eine Ansammlung von Häusern hat meistens etwas langsamer. Hier in Irland ist so 80 h/km nicht unüblich. Ganz allgemein beträgt die normale Geschwindigkeit hier 100 h/km und das auf engen Strassen mit vielen Kurven. Für uns Schweizer ist das am Anfang nicht leicht, zumal wir uns auch noch Rechtsverkehr gewohnt sind und in Irland links gefahren wird.
Irgendwann kamen wir dann aber doch zur nächsten Attraktion, die wir, und anscheinend auch alle anderen Touristen in Irland, anschauen wollten: den Giant’s Causeway. Als wir nämlich auf den Parkplatz fuhren, trauten wir unseren Augen kaum. Ein riesiges Touristenzentrum markierte den Eingang zum Giant’s Causeway. Man musste Eintritt zahlen und bekam einen elektronischen Führer in die Hand, der einem interessante Details über diese speziellen Steinformationen erzählte. Mehrere Busse chauffierten die Touristen für 1.30£ zum Causeway und wieder zurück. Wer wollte, konnte natürlich auch hinunterlaufen. Wir bewältigten den ca. 15 minütigen Weg selbstverständlich zu Fuss und hörten uns unterwegs an, was der Guide zu sagen hatte.
Der Legendenach wollte der irische Riese Finn McCool ein Kräftemessen mit einem schottischen Riesen veranstalten. Deshalb erbaute er den Giant’s Causeway der Irland mit Schottland verband. Als er jedoch seinen schottischen Gegner am Horizont auftauchen sah, flüchtete er aus Angst vor dessen Grösse nach Hause zu seiner Frau. Diese verkleidete ihn kurzerhand als Baby und steckte ihn ins Bett. Als der schottische Riese schliesslich an ihre Türe klopfte sagte sie ihr Mann Finn sei gerade ausser Haus und präsentierte ihm stattdessen das „Baby“. Der schottische Riese erschrak fürchterlich ab dem Riesenbaby und rannte zurück nach Schottland aus Furcht davor, wie gross denn der Vater sein möge, wenn das Baby schon so gross sei. Den Giant’s Causeway riss er hinter sich nieder, damit Finn McCool nie zu ihm kommen konnte.
In Wirklichkeit entstanden diese 5- bis 7-eckigen Steinformationen aber durch langsam erkaltendes Lava tief im Erdinneren und ist sowohl an der Küste von Irland, als auch an der schottischen Küste zu finden.
Nachdem wir den Giant’s Causeway mit allen anderen gebührend bewundert hatten, machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Für mich persönlich war der Ort etwas enttäuschend. Nicht die Steine an sich, die waren wirklich sehr beeindruckend, vielmehr empfand ich die ganze Anlage und die vielen Touristen als störend. Ausserdem sehe ich das Besucherzentrum und die ganze Aufmachung des Causeways als Geldmacherei und somit unnötig. Wer mal in Nordirland ist, sollte aber auf jeden Fall dort vorbeischauen, vielleicht aber nicht an einem Sonntag sondern unter der Woche, wenn es eventuell weniger Touristen hat.
Vom Giant’s Causeway her fuhren wir ins Landesinnere, zu einer ganz speziellen Allee. Der „Dark Hedges Allee“. Diese wundersame Alle aus Buchenbäumen wurde im 18. Jahrhundert gepflanzt und ist heute einer der aussergewöhnlichsten und am Meisten fotografierten Orte in ganz Nordirland. Im Gegensatz zum Giant’s Causeway sind hier nicht ganz so viele Leute unterwegs, vermutlich lohnt es sich aber auch hier unter der Woche oder am frühen Morgen zu kommen, wenn man ein menschenfreies Foto schiessen möchte.
Auch der Giant’s Causeway und die Dark Hedges Allee sind Kulissen die in Game of Thrones vorkommen. Letztere stellt den Königsweg dar und wir oft von Räubern und Dieben belagert.
Nachdem wir auch noch dieses letzte Naturphänomen bewundert hatten, machten wir uns auf den Heimweg. Erst um ca. 11 Uhr kamen wir schliesslich zu Hause an und machten uns noch etwas Kleines zu Essen, bevor wir müde von dem langen Tag in unsere Betten kippten.








