Schon beim Aufwachen wusste ich, dass irgendetwas anders war. Das Licht im Zimmer war zu hell und obwohl ich durch den Vorhang nicht nach draussen sehen konnte, wusste ich, dass die Sonne schien. Und tatsächlich, ich konnte nur wenige Wolken sehen und dafür schien die Sonne vom blauen Himmel herab.
Es war schon relativ spät, wir alle hatten heute etwas länger geschlafen, deshalb beschlossen wir heute nicht allzu grosse Sprünge zu machen und endlich zu unserem hauseigenen See zu gehen und das Boot auszuprobieren, welches in der Hausbeschreibung angepriesen wurde.
Aus dem Schuppen holten wir zwei Paddel und überwanden uns schliesslich auch die etwas miefigen Gummistiefel anzuziehen, die uns der Vermieter zur Verfügung gestellt hatte. Ein Glück, wie sich bald herausstellen sollte.
Laut Beschreibung mussten wir um zum See zu kommen vom Haus aus rechts am Schuppen vorbei und durch das Tor. Danach immer geradeaus dem Trampelpfad nach, bis zur Moorlandschaft von wo aus man den See schon sehen könne.
Naja schon die ersten Schritte hinter dem Zaun zeigten, dass wir uns nun auf der Pferdeweide befanden. Tiefe Hufabdrücke und Pferdekot säumten en Pfad, der eigentlich mehr ein Schlammbad war als ein richtiger Weg. Nachdem wir den Trampelpfad auf der Weide wiedergefunden hatten (vom „ruhigen Pferd fehlte jede Spur“) folgten wir dem Matsch zwischen Rhododendron hindurch bis zu besagter Moorlandschaft. Nun zeigte sich schon überdeutlich, dass Gummistiefel wirklich unabdingbar waren, mit normalen Schuhen, hätten wir das nämlich nicht geschafft. Immer wieder versank man im Morast und man musste aufpassen, dass die Stiefel beim Herausziehen nicht stecken blieben.
Schliesslich hatten wir es aber geschafft und fanden uns im Moor wieder. Von hier aus konnten wir den See wirklich schon sehen und so gingen wir munter weiter.
Fabian, der schon etwas vorausgegangen war, lotste uns zum Ruderboot, welches von Gebüsch völlig verdeckt am Ufer lag. Als wir es schliesslich gefunden hatten, stellte sich uns die Frage, ob dieses Boot vier erwachsene Personen tatsächlich tragen würde. Und noch viel wichtiger, war das Boot wassertauglich. Die Antwort ist, ja es hält vier Personen aus und ja es ist wasserdicht. Auch wenn es nicht unbedingt einen vertrauenserweckenden Eindruck machte, brachte uns das Boot schliesslich sicher zum Strand hinüber. Um ehrlich zu sein, ganz geheuer war mir die Sache nicht, doch als wir dann in etwas tieferem Gewässer immer noch auf und nicht unter dem Wasser waren, war es dann doch ganz lustig.
Als wir wieder sicheren Boden unter den Füssen hatten, genossen wir unseren persönlichen Sandstrand. Naja, Strand ist etwas viel gesagt, vielmehr war es eher ein Sandfleck. Doch die Sonne schien und die Wellen schwappten über unsere Gummistiefel und wir waren rundum zufrieden. Irgendeinmal beschlossen wir zurückzugehen und Fabian und ich paddelten zurück zur Anlegestelle während Mami und Papi den See zu Fuss umrundeten.
Beim Zurücklaufen durch das Moor blieb Fabian plötzlich stehen und deutete nach vorne. Wir hatten an diversen Stellen schon Pferdedung gesehen, doch niemand hatte damit gerechnet, dass das Pferd uns bis hierhin folgen würde. Doch dort zwischen einigen Büschen stand es und graste. Leider stand es genau neben dem Trampelpfad und da wir das Pferd nur von der Beschreibung her kannten, wollten wir ihm nicht zu nahe kommen.
Als das Pferd keine Anstalten machte sich von dort wegzubewegen, gingen wir vorsichtig an ihm vorbei. Es schaute uns nur aufmerksam nach, doch als wir ca. 50 Meter weit gelaufen waren, kam es uns nach. Das Pferd überholte uns und platzierte sich mitten auf dem Weg vor uns, wo es beharrlich stehen blieb. Eine Weile versuchten wir es durch gutes Zureden dazu zu bringen den Weg freizugeben, doch es klappte nicht.
Schliesslich näherte ich mich ihm vorsichtig und es gelang mir es zu streicheln und es mit etwas Zucker so aus dem Weg zu locken, dass die anderen vorbeigehen konnten. Als wir schliesslich zurück zum Haus gingen, folgte das Pferd uns.
Meine Vermutung, dass es nur nach Gesellschaft suchte, bestätigte sich, als es sich direkt vor den Ausgang stellte, durch den wir die Weide verlassen wollten.
Irgendwann verlor das Pferd jedoch glücklicherweise das Interesse und es galoppierte über die Weide davon. Mir tat es ein bisschen Leid, den ganzen Tag ist das Pferd alleine auf der Weder. Ich habe noch nie einen Menschen in seiner Nähe gesehen. Bestimmt ist es einfach nur einsam.
Nachdem wir wieder beim Haus waren und unsere schmutzigen Kleider in die Waschmaschine gesteckt hatten, beschlossen wir noch nach Letterkenny zum Einkaufen zu fahren.
Nach dem Abendessen im Kentucky Fried Chicken fuhren wir nach Hause zurück und verbrachten die Zeit mit lesen.





