Als ich aufwachte, regnete es. Als wir losfuhren, regnete es. Wobei Regen eigentlich zu viel gesagt ist. Vielmehr nieselte es, was die Sache in gewisser Weise nur noch schlimmer machte. Man wurde nicht richtig nass, nein. Aber die Feuchtigkeit drang in die Kleider und machte alles ganz klamm. Dazu wehte ein kalter, starker Wind vom Meer herein. Doch dies war noch nichts im Vergleich zu den Sturmböen, die wir heute noch zu spüren bekommen sollten.

 

Wir hatten beschlossen heute, trotz des scheusslichen Wetters, die Cliffs of Moher besichtigen zu gehen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir zuerst den Shannon überqueren. Von Tarbert her fährt eine Autofähre über die Meerenge. Auf der Fähre war es recht kalt und da es zusätzlich zum Wind auch noch regnete, verbrachte ich die ca. 20 minütige Fahrt grösstenteils im Auto.

In Killimer angekommen fuhren wir direkt zur Küste. Dort folgten wir einer kleinen Küstenstrasse und konnten einen tollen Ausblick geniessen. Das Meer war heute sehr wild. Wilder als wir es bis jetzt erlebt hatten. Die starken Böen trieben die Wellen mit einer ungeheuren Kraft gegen die Felsen und das Wasser schäumte.

Hin und wieder konnten wir weisse Flocken von den Klippen heraufwinden sehen. Schaumflocken der Gischt, die im Wind tanzten. Es sah beinahe aus, als würde es schneien.

 

Bei einem kleinen Parkplatz hielten wir schliesslich an, um diese Naturgewalt draussen zu geniessen. Wir packten uns fest in unsere Windjacken ein und wagten uns nach draussen. Zwar hatte es inzwischen aufgehört zu regnen, doch der Wind liess das Wasser bis zu uns hinaufspritzen. Es windete so heftig, dass wir Mühe hatten gerade zu stehen. Als wir unsere Gehirne genug durchgelüftet hatten, stiegen wir wieder ins Auto und fuhren weiter.

Wir folgten mehr oder weniger der Küstenstrasse nach oben, vorbei an Kilmurry, dem Spanish Point und Rinneen. (Manchmal wundere ich mich ab diesen spezielen Ortsnamen schon ein bisschen!) In Lahinch machten wir dann nochmals einen kurzen Stop und besichtigten die Liscannor Bay.

Auch dort windete es heftig und der Wind hatte die Wolken beiseite geweht, sodass nun die Sonne zu sehen war.

 

Als wir genug vom Strand hatten, fuhren wir noch das letzte Stück bis zu den Cliffs of Moher. Wenn man etwas über die Cliffs liesst, steht da immer, dass die Cliffs bei Touristen sehr beliebt seien. Doch es mag daran gelegen haben, dass Montag war, oder dass es schon ca. 15.00 Uhr war oder dass es schon wieder WOlken am Himmel hatte, oder auch durch ein Zusammenspiel dieser Faktoren, auf jeden Fall hatte es bei den Cliffs of Moher viel weniger Leute als ich erwartet hätte.

Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten, machten wir uns auf den Weg zu den Klippen. Es war ein kurzer Fussmarsch bis zum höchsten Punkt, eigentlich nicht besonders schwierig zu bewältigen, doch wir hatten die Rechnung ohne den Wind gemacht. Es windete so heftig, dass wir aufpassen mussten, nicht rückwärts wieder die Treppe hinuntergeweht zu werden.

Oben war der Wind sogar noch heftiger. MAn konnte richtiggehend in den Wind liegen. Viele Leute kämpften sich zur windigsten Stelle vor und sprangen in die Luft, was einem das Gefühl verlieh, man würde fliegen. Ich bin mir ziemlich sicher, hätte ich Flügel gehabt, ich wäre davongeflogen.

Die Klippen an sich waren sehr eindrucksvoll. Zwar sind die Cliffs of Moher nicht die höchsten Klippen Irlands, doch hier sieht man die Höhe viel besser als zum Beispiel bei den Slieve Leagues, denn die Felsen fallen hier beinahe senkrecht ab.

Nachdem wir genug vom Wind und der tollen Aussicht hatten, gingen wir wieder nach unten und statteten dem Souvenir-Shop einen Besuch ab. Als wir schlussendlich wieder im Auto sassen, dachte ich wehmütig an das unbeschreibliche Gefühl der Freiheit zurück, das ich auf den Klipppen oben, vom Wind fast davongeweht, verspürt hatte.

 

Die Heimfahrt verlief ziemlich ereignislos. In Shannon hielten wir kurz beim McDonalds und assen etwas. Danach fuhren wir ohne Halt nach Hause. Irgendwie bin ich froh, dass wir an einem Tag bei den Cliffs waren, der nicht super tolles Wetter versprach, denn sonst hätte es vielleicht nicht so fest gewindet, dass man das Gefühl hatte fliegen zu können.

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